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Was würde ein Yogi jetzt tun?

von Karl-Heinz Steyer

 

Eine Woche geht zu Ende, eine Woche voller selbstquälerischer Gedanken, betreffend Personen und Ereignissen in meiner aktuellen Lebenssituation. Selbstquälerisch werden sie dann, wenn ich sie nicht mehr abschalten kann. Ich muss dauernd an die Person oder an das Ereignis denken, oftmals ohne wirklich neue Gedanken dabei zu formulieren. Ich wiederhole im Verstand diese Gedankenformen, wieder und immer wieder. Dadurch bekommen sie Kraft und wachsen wiederum in ihrer Beständigkeit und....wiederholen sich von Neuem, vielleicht noch intensiver, noch hartnäckiger. Es kommen Gedankenfetzen dazu, die aber auch nur die wiederkehrende, ursprüngliche Gedankenform nähren und sie noch schrecklicher werden lassen.
Dann manifestiert sich der zweite Grund der Qual: mein Körper reagiert auf diese Gedanken, er geht sozusagen in Resonanz damit und produziert Emotionen. Die schnellsten, sofort auftretenden Emotionen, sind die des Ärgers auf ein äußerliches Objekt. Diese Person, an die ich denken muss, die nicht meinen Erwartungen und Vorstellungen entspricht, über diese Person werde ich mich ärgern. Ich schimpfe sie, ich verurteile sie oder vielleicht verdamme ich sie. Ich gebe dieser Person letztendlich die Schuld meines Ärgers, meiner Qual. Näher an der Wahrheit ist es zuerst zu fragen was in mir steckt oder was in mir in Resonanz geht zu dieser Person, zu diesem Ereignis. Der Ärger ist vielleicht meine eigene Geschichte und hat mit dem anderen ja gar nichts zu tun. Der Andere handelt in seiner Welt vollkommen richtig.
In dieser Bewegung gehe ich zwar in die richtige Richtung, trotzdem bleibt es eine Qual, wo ich zum Schluss durchaus zur Erkenntnis kommen könnte, dass ich einfach schlecht bin. Und das kann zu vernichtenden Resultaten führen im Kontext von Persönlichkeit und Ich-Gefühl.
Also was würde ein Yogi jetzt tun? Eines was ich in meiner fünfzehnjährigen Yogakarriere bisher erfahren durfte ist, dass es nicht reicht sich hinzusetzen, ein Räucherstäbchen anzuzünden und die ganzen Konflikte mit der Welt um mich, sowie der Konflikte in mir, weg zu meditieren und sich in einen kuschelwarmen, wohltuenden Bewusstseinszustand zu versetzen. Irgendwann muss ich ja da wieder raus und dann trifft mich alles mit so einer Wucht, noch heftiger und womöglich noch belastender. Umso größer wird natürlich der Wunsch sein, mich wieder hinzusetzen und zu meditieren. Auch das geht dann nicht ewig so weiter. Es wird mich innerlich zerreißen, weil ich permanent in zwei verschiedenen Leben präsent sein muss und da alles in diesem Universum zur Einheit, also zur Integration drängt, wird auch in diesem Fall eines von den zwei Leben sich auflösen. Das mündet ebenso in einer persönlichen Katastrophe.
Die Meditation hilft aber doch, insofern als Ruhe und Stille die Grundvoraussetzung ist aus dem Gedankenstrom auszubrechen. Das Zeugenbewusstsein weiter zu trainieren um immer wieder zu begreifen und verstehen, dass ich nicht meine Gedanken bin. Und ich bin nicht meine Emotionen. Alles da, auch real, aber ich habe sie und ich bin sie nicht.
Aus dieser Stille erwächst die inspirierende Kraft um neue Gedanken zu formen, die nicht mehr negativer Art sind, sondern geschaffen aus der stillen Vollkommenheit, die mir immanent ist. Zu dieser stillen Vollkommenheit, aus der wieder sich Leben formt, als Gedanken, als Emotionen und daraus entstehenden Handlungen, gelange ich über die Meditation. Hatha Yoga bleibt dabei genauso wichtig, weil es mich täglich ins tiefe Körpergewahrsein bringt und ich damit feiner meine Zustände im Inneren spüre. Also auch die Praxis einer achtsamen Bewegung, mit synchronisierter Atmung, schafft die tiefe Verankerung im Körper, als Zugang zum ganzen Wesen und Sein. Die Bewegung hin zum Zentrum.  

Karl-Heinz Steyer
Yoga & Meditationslehrer
www.yogaintense.com

 

 

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