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Was ist Hypnose wirklich?

Gemäß Milton Erickson dem erfolgreichsten und wohl bekanntesten amerikanischen Hypnosetherapeuten, ist Hypnose ein Zustand hochfocussierter, nach innen gerichteter Aufmerksamkeit.

Dieser Zustand wird vom Hypnotiseur durch Suggestionen angeleitet (Fremdhypnose), oder durch den Hypnotisanden selbst (Selbsthypnose).
Die hypnotische Trance ist meist gekennzeichnet durch eine tiefe Entspannung, die im Allgemeinen als sehr angenehm empfunden wird. Obwohl die Hypnose meist von Trägheit, reduzierter Kritikfähigkeit und Gelassenheit begleitet wird, ist der Proband jederzeit in der Lage Suggestionen zurückzuweisen, die er für unangemessen, unethisch, oder aus sonstigen Gründen für abzulehnen hält.

Keineswegs ist er dem Hypnotiseur willenlos ausgeliefert, er kann jederzeit den Trancezustand von selbst beenden, wenn er das will.

Das Erleben ist, im Unterschied zum Wachzustand, eher traumartig, der/die Hypnotisierte ist empfänglicher für eine bildhafte, symbolhafte Sprache. Es ist die Sprache der Fantasie, und so kann der Hypnotisand ungehindert Verhaltensweisen ausprobieren, oder sich in fiktive Situationen begeben um zu üben, sich darin zurechtzufinden.

So ist es möglich, in die Vergangenheit, oder auch in die Zukunft zu gehen, um dort mental Anpassungen vorzunehmen, die dann durchaus auch im Wachzustand wirksam werden. Das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern damit, dass wir die Welt so wahrnehmen, wie unser Gehirn unsere Sinneseindrücke verarbeitet. Das Ergebnis dieses Verarbeitungsprozesses ist eine Konstruktion, die wir als Realität empfinden. Wir glauben, unsere Realität ist die Wahrheit und doch gibt es mindestens so viele Realitäten, wie es Menschen gibt. In Trance haben wir Zugang zu diesen Verarbeitungsprozessen und können sie so beeinflussen, wie es für uns nützlich und sinnvoll ist.

Damit eine Hypnose gut funktioniert, ist es erforderlich, dass zwischen Hypnotiseur und Hypnotisand Rapport besteht. Rapport bedeutet, eine gute Beziehung zueinander zu haben, die von Vertrauen geprägt ist. Der Proband muss emotionell in der Lage sein, die Suggestionen des Hypnotiseurs anzunehmen.

Hypnoseähnliche Trancen erleben wir alle mehrmals täglich, oft ohne es zu merken. Haben Sie schon einmal ein angeregtes Gespräch geführt und dabei gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht? Oder ein spannendes Buch gelesen und dabei alles rundherum vergessen?

Vielleicht waren Sie auch schon einmal verliebt und konnten nichts anderes tun, als sehnsüchtig auf das nächste Treffen warten?

Sie haben die Butter nicht gefunden, obwohl Sie doch direkt vor Ihrer Nase lag?

All das sind Alltagstrancen, die jeder von uns kennt, und die einer Hypnose sehr ähnlich sind.

Durch Hypnose werden diese Trancezustände absichtlich und zielorientiert erzeugt.

So gesehen lässt sich Hypnose auch als Vorgehensweise zur Induktion einer Trance bezeichnen.


Showhypnose

Showhypnose ist Hypnose mit dem Ziel Publikum zu unterhalten. Es werden hypnotische Phänomene hervorgerufen, wie Gedächtnisverlust, positive oder negative Halluzinationen, Katalepsie (Muskelstarre) und Empfindungsänderungen (so wird z.B., der Geschmack einer Zitrone als süß und überaus köstlich empfunden).

All diese Phänomene lassen sich auch bei herkömmlicher Hypnose hervorrufen, aber immer nur dann, wenn der Hypnotisand damit einverstanden ist und es auch will.

Das Wesentliche an der Showhypnose ist aber, dass der Hypnotiseur vor allem eines gut kann: möglichst schnell herauszufinden, wer unter den gegebenen Umständen am meisten dazu bereit ist, in Trance zu gehen, und bei all diesen Späßchen mitzumachen.

Schon alleine auf einer Bühne zu stehen, vor Publikum, macht die meisten von uns unsicher und nervös. Wir würden gerne flüchten, doch wohin? Die einzige Möglichkeit ist die Flucht in eine Trance.

Mit zwei, drei einfachen Tests, findet der Hypnotiseur heraus, wer momentan, unter den gegebenen Umständen, dazu bereit ist, mitzumachen.

Auch in dieser Situation macht der Hypnotisand nichts, was er nicht will. Aber der Hypnotiseur hat ja die Leute herausgefiltert, die gerne mitmachen wollen (sonst wären sie ja nicht auf die Bühne gekommen). Und schon wird scheinbar alles möglich. Der Hypnotiseur hat scheinbar die volle Macht über seine „Opfer“.

was der Zuseher aber nicht weiß, ist, dass es eben nur bei den ausgewählten Kandidaten, die eben auf der Bühne stehen funktioniert. Diejenigen, bei denen es unter den gegebenen Umständen nie und nimmer klappen würde, die befinden sich im Publikum und nicht auf der Bühne. Und das ist vermutlich der Großteil der Anwesenden.


Wer ist hypnotisierbar?

Meiner Ansicht nach sind alle Menschen hypnotisierbar, es sei denn sie sind geistig behindert, oder krank. Ein gesunder Mensch mit „normal“ funktionierendem Gehirn besitzt selbstverständlich die „normale“ Fähigkeit in Trance zu gehen.

Es kommt auf den Hypnotiseur an, ob er in der Lage ist, seinen Klienten in Trance zu versetzen.

Das Geheimnis besteht darin, einen Weg in die Trance zu finden, den der Hypnotisand bereit ist zu gehen. Wie schon erwähnt, ist dazu das Vertrauen in den Hypnotiseur und seinen Fähigkeiten ein ganz wesentlicher Faktor. Es ist wie beim Tanzen. Ein Partner führt, der andere Partner lässt sich führen. Aber wenn es Widerstand gegen die Führung gibt, dann wird der Tanz nicht gut gelingen.


Die „Direktive Induktion“

Diese Art von Induktion ist die bekannteste und wohl am meisten verbreitete. Der Hypnotiseur suggeriert seinem Klienten auf sehr direkte Art jene Empfindungen zu spüren, die üblicherweise den Zustand der Hypnose begleiten. „Deine Augenlider sind schwer, ganz schwer, sie werden immer schwerer, schwer wie Blei…, die Augen beginnen zu brennen und zu tränen und immer schwerer werden deine Lider, bis sie sich schließen……

Die Suggestionen werden häufig wiederholt, so lange, bis sich beim Klienten der suggerierte Zustand einstellt.

Der Hypnotiseur braucht eine hohe Beobachtungsgenauigkeit um zu erkennen, wie weit der Hypnotisand schon ist, und wann er mit dem nächsten Schritt fortfahren kann.

Die direktive Art der Induktion ist relativ leicht zu erlernen, hat aber den Nachteil, dass sie oft innere Widerstände des Klienten hervorruft, die zum Scheitern der Hypnose führen. Wer will sich schon befehlen lassen, wie er sich zu fühlen hat?

Nichtsdestotrotz ist es das, was sich die meisten Menschen unter Hypnosevorstellen. Der bohrende Blick des Hypnotiseurs, der direkte Stil der Suggestionen, – gut geeignet für die Bühnenshows.

Doch wenn der Klient nicht will, dann geht nix! Und das kommt (bei nicht vorselektierten Kandidaten) durchaus vor. So entsteht der Eindruck, es seien eben nicht alle Menschen hypnotisierbar, oder wenigstens nicht alle in demselben Maße.

Doch es gibt auch andere Ansätze, die es praktisch allen Menschen ermöglichen, von selbst in Trance zu gehen, unter Anleitung des Hypnotiseurs:


Die „Indirekte Induktion“

Die indirekte Form der Hypnose geht vor allem auf Milton Erickson zurück, dessen Vorgehensweisen auch wesentlich in die Erkenntnisse des NLP eingeflossen sind.
Sie bietet den großen Vorteil, dass die Suggestionen so vage gehalten werden und so indirekt formuliert werden, dass beim Klienten kein Widerstand aufkommen kann.

„Sie können sich sicher an das Gefühl, kurz vor dem Einschlafen erinnern,… wenn sich der Körper nach und nach entspannt… und die Gedanken in ihrer ganz besonderen Weise beginnen wegzutreiben,… wie ein Boot, das langsam auf das Meer hinaustreibt… und die Stimmen am Strand immer leiser werden… Und ich weiß nicht, an welchem Ort Sie sich am Besten entspannen können… und auch nicht wie es dort aussieht,… welche Farben dort vorherrschen… und ob es auch etwas zu hören gäbe,… das Sie in eine angenehme Entspannung bringt…. Und Sie allein wissen, wie es sich für Sie anfühlen würde, irgendwo in Ihrem Körper bereits jetzt eine angenehme Veränderung wahrzunehmen… und mit Ihrem Atem mehr und mehr Ruhe aufzunehmen …“

Haben Sie es bemerkt? In obigem Absatz war keinerlei direkter Befehl enthalten, nichts wogegen man Widerstand leisten könnte. Es fällt leicht den enthaltenen Suggestionen zu folgen, weil Sie nicht in Form von Anweisungen gegeben werden. Es werden Erinnerungen angeboten, Metaphern, die Sie aufgreifen können (aber nicht müssen). Wenn Sie Fragen gestellt bekommen, so werden Sie reflexartig, wenigstens einen kurzen Moment an die Antwort denken. – „Können Sie sich vorstellen, wie es ist sich zu entspannen?“ – Natürlich können Sie das, das können wir alle. Und in dieser Vorstellung liegt schon die Suggestion der Entspannung.


Die “Dave Elman-Hypnose”

Dave Elman war ein Zeitgenosse von Milton Erickson und entwickelte eine eigene Form der Hypnose, die der von Erickson mindestens ebenbürtig war. Sie stellt eine Art Sonderstellung zwischen der indirekten Hypnose und den direkten Methoden dar.

Elman ging davon aus, dass es in jedem Menschen zwei Teile gibt den “Critical Mind” und den “Selectiv Mind”, wie er Sie nannte. Der “Critical Mind” ist jener Teil, der für unser logisches Bewusstsein zuständig ist. Dieser Teil überwacht, dass wir uns “vernünftig” benehmen, er hinterfrägt kritisch unsere Handlungsweisen, er überprüft, ob etwas wahr oder unwahr, richtig oder falsch ist. Und er schützt uns vor unüberlegten Handlungen. Der “Selectiv Mind” hingegen ist derjenige, der gerne träumt, der sich auf Experimente einläßt, der Teil des Vertrauens, des Ausprobierens, der keine Beweise benötigt um zu wissen. Es ist jener Teil, der in Trance geht, wenn der “Critical Mind” keine Einwände erhebt.

Elman erklärt seinen Klienten in einem ausführlichen Vorgespräch die Existenz beider Teile und holt sich das Einverständnis des Klienten, mitzumachen um in Trance zu gehen. Dabei spielt der “Critical Mind” die Rolle des wohlwollenden Zuschauers:

“Der Critical-Mind kann dich jederzeit aus der Hypnose zurückführen, das ist klar und das ist auch gut so. Darum geht es jetzt aber nicht, jetzt geht es darum die Hypnose zu erleben. Wir wissen beide, dass du die Hypnose jederzeit abbrechen kannst, aber das willst du ja jetzt nicht. Du willst ja in Hypnose gehen, nicht wahr? Wenn du es wirklich willst, dann brauchst du nur das zu tun, was ich dir nun sage und du wirst eine angenehme tiefe Trance erleben. Willst du das tun?”

Wenn der Klient wirklich damit einverstanden ist, und dazu bereit ist, beginnt die eigentliche Induktion. Elman gibt nun seinen Klienten Anweisungen, was diese nun tun sollen. Er weist sie an nacheinander verschiedene Phänomene absichtlich und bewusst zu produzieren, die üblicherweise in Hypnose spontan auftreten. Die Anweisungen kommen sehr bestimmt, eine folgt auf die andere, der Klient hat keine Zeit darüber nachzudenken. Wenn er all das befolgt und nicht mit seinem “Critical Mind” eingreift, dann kommt er innerhalb von sehr kurzer Zeit in einen sehr tiefen Trancezustand. Zwei bis drei Minuten genügen dazu. In diesem Zustand ist dann sehr viel für den Klienten möglich, der Klient ist nun hoch suggestibel. Suggestionen werden nun gut angenommen und können wirksam werden.

Angeblich hat Milton Erickson einmal gesagt: “ach, könnte ich doch nur das, was Elman kann!”

- Na, ja. Auch Erickson konnte viel, enorm viel!


Wobei kann Hypnose helfen?

Hypnose kann in allen Bereichen des Lebens hilfreich sein. Hier einige Anwendungsbereiche, kurz aufgelistet:

  • Sie lernen sich zu entspannen
  • Sie erhöhen Ihre Stressresistenz
  • Hilfe bei Müdigkeit und Abgespanntheit
  • mehr Lebensfreude tanken
  • Erhöhung der persönlichen Leistungsfähigkeit
  • Prüfungsvorbereitung
  • Vorbereitung auf sportliche Wettkämpfe
  • Ablegen unerwünschter Gewohnheiten
  • Erwerben von nützlichen Verhaltensweisen
  • vor allem ist Hypnose ein Zustand in dem es möglich ist, unseren eigenen
  • „Autopiloten“ so einzustellen, dass er uns an das Ziel bringt, welches wir selbst
  • bestimmen. Eben dorthin, wo wir hinwollen!


Heilung, Therapie

Auch bei Krankheiten und deren Behandlung kann Hypnose unterstützend eingesetzt werden. Dies ist allerdings Ärzten und Therapeuten vorbehalten.


Wie wirkt Hypnose?

In manchen Fällen stellt sich die Wirkung sehr direkt und sofort ein. Was suggeriert wurde tritt deutlich erkennbar ein und hält einige Zeit an. Klient und Hypnotiseur sind glücklich und zufrieden.

Meistens allerdings, ist es eher so, dass die Wirkung sehr indirekt in Erscheinung tritt, oft auch erst später. Der Klient, der wegen Problem X zur Hypnosesitzung gekommen ist, kann sich einige Monate später gar nicht erinnern, dass X je ein Problem für ihn war. Er sieht es inzwischen aus einem anderen Blickwinkel, in anderen Zusammenhängen. Dieser neue Gesichtspunkt lässt ihn X nicht mehr weiter als Problem wahrnehmen. Problem X hat sich sozusagen in Luft aufgelöst, oder ist zu etwas anderem geworden, das nicht mehr als problematisch angesehen wird.

Auch wird die neue, bessere Situation oft nicht auf die Wirkung der Hypnose zurückgeführt, sondern andere, scheinbar realere Gründe werden als Erklärung für die Verbesserung herangezogen. Das ist okay, ein guter Hypnosecoach ist damit zufrieden, dem Klienten geht es besser. Bleibt die Frage, warum haben sich die Veränderungen erst nach der Hypnose ergeben, und nicht schon davor?

In den meisten Fällen wird es auch mit einer einzigen Sitzung nicht getan sein. Veränderungen zum Besseren sind dynamische Prozesse, die einer Begleitung bedürfen. Es ist wie Autofahren, wo der Fahrer auch immer wieder Lenkkorrekturen durchführen muss, um auf der (richtigen) Straße zu bleiben.
Daher sollte Hypnose sinnvoller Weise in ein Coaching eingebunden sein, das mehrere Treffen beinhaltet. Dadurch ist auch gesichert, dass der Klient auch nach der Hypnose nicht alleine gelassen wird und offene Fragen geklärt werden können.

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