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Medizin für die Libido

Aphrodisiaka aus aller Welt versprechen auch das deutsche Liebesleben aufzupeppen
von Claudia Müller-Ebeling

Schon lange klagen Presseberichte über die Flaute in deutschen Schlafzimmer und das geheimnisvolle Syndrom »Low Sexual Desire«. Die vielen teilweise über das Internet verbreiteten Potenzpräparate verweisen auf eine tiefe Sehnsucht nach sexueller Erfüllung, die von solchen eher mechanisch wirkenden Medikamenten aber nur unzureichend gestillt wird. In unserer scheinbar sexuell aufgeklärten Gesellschaft wird mangelnder Genuss bei der Liebe entweder resignativ hingenommen oder durch psychologisches Deuteln zerredet. Während das »Wollen« (durch allgegenwärtige Sex-Darstellungen in den Medien) angeheizt wird, herrscht Unwissenheit über die Grundbegriffe des »Könnens«. Andere Völker wie die Tibeter oder Brasilianer sehen das lockerer. Hier gibt es bewährte Hausrezepte gegen Lustlosigkeit, die einschlägigen Kräuter gehören zum allgemeinen Wissensschatz und werden öffentlich feil geboten. »Wer die Lust steigert, hat recht« heißt hier das unausgesprochene Motto. Wie viel Leid und Frustration könnten verhindert werden, wenn das überlieferte Basiswissen über die Lustpflanzen auch bei uns Gemeingut würde? Liebesmittel-Expertin Claudia Müller-Ebeling will Abhilfe schaffen.

Padme Lama fühlt sich schon seit Wochen matt und antriebslos. Nun hofft sie auf Hilfe des tibetischen Arztes. Im Wartezimmer in Kathmandu, Nepal, wandert ihr Blick über die Rollbilder an den Wänden, auf denen Pflanzen, Tiere und Mineralien dargestellt sind. Die medizinischen Lehrthankas zeigen den traditionell überlieferten tibetischen Heilmittelschatz. Manche der abgebildeten Naturprodukte werden seit jeher zur Heilung diverser Krankheiten eingesetzt. Andere dienen als Tonika oder Aphrodisiaka der Erhaltung und Belebung der Lebenskräfte.

Schließlich wird die 45jährige Tamangfrau ins Behandlungszimmer gebeten. Der Arzt misst ihren Puls, betrachtet aufmerksam Teint, Augen und Zunge und führt eine Urindiagnose durch. Keine Krankheitsanzeichen. Nach den Regeln der tibetischen Anamnese befragt er die Patientin ausführlich nach ihren Lebensumständen, der Anzahl ihrer Kinder, ihrer Arbeit, der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Familie und nach ihrer Ehe. Padme Lama gibt bereitwillig Auskunft. Sie war mit 17 verheiratet worden. Ihre beiden Töchter sind längst aus dem Haus. Nun versorgt sie gemeinsam mit ihren drei Schwiegertöchtern die vier Generationen umspannende Großfamilie. In Nepal ist es üblich, dass die Söhne nach der Heirat mit ihren Familien weiterhin im Elternhaus leben und die älteren Generationen der väterlichen Linie versorgen.

Die letzte Frage nach dem Eheleben beantwortet die Patientin nur zögerlich. Ihr Mann komme immer spät von der Teppichmanufaktur nach Hause und sie selbst sei von der täglich anfallenden Arbeit für den großen Familienclan sehr in Anspruch genommen. Unbeholfen und schüchtern fügt sie an: »Wir sind halt nicht mehr die Jüngsten ...«

Lust auf Rezept

Dieser verschlüsselten Aussage entnimmt der Arzt den entscheidenden Hinweis für die Ursache der erlahmten Lebenskräfte. Offensichtlich leidet die Patientin an einer mangelnden Libido und einem gestörten Liebesleben. Daher verschreibt er Padme Lama die tägliche Einnahme von Ma-Huang, gibt ihr sieben Tagesrationen von jeweils einem gehäuften Teelöffel Ephedrakraut mit und weist sie an, das Kraut fünf Minuten in einem viertel Liter Wasser aufzukochen und das Dekokt täglich zu trinken, um »wieder zu Kräften zu kommen«.

Im chinesischen und tibetischen Heilmittelschatz werden die unter dem Namen Ma-Huang bekannten Ephedraarten als wirksames Aphrodisiakum für Frauen gerühmt und von vielen Heiltraditionen – tibetischer, chinesischer, indisch-ayurvedischer oder schamanischer Herkunft – oft und gern als Mittel gegen Niedergeschlagenheit und ermattete Lebenslust verschrieben.

Die selbstverständliche medizinische Anwendung einer Pflanze wie Ephedra, deren aphrodisierende Eigenschaften auch von der westlichen Pharmakologie bestätigt werden, erstaunte uns immer wieder bei unseren vielen kurz- und langfristigen Aufenthalten in Nepal.

Die erotische Hausapotheke

Das kleine hinduistisch-buddhistisch geprägte Königreich im Himalaya entspricht nicht gerade unserem Bild einer »sexuell aufgeklärten Gesellschaft«. Die Frauen der rund 61 verschiedenen Ethnien können sich zwar meist problemlos scheiden lassen und genießen – geschieden oder verwitwet – eine gewisse soziale und wirtschaftliche Sicherheit und Unabhängigkeit. Trotz der freizügigen erotischen Schnitzereien, die die Tempel der ursprünglich selbständigen Königreiche Kathmandu, Patan und Bhaktapur zieren und einen freizügigen Umgang mit Erotik in der Vergangenheit dokumentieren, begegnet man sexuellen und erotischen Belangen jedoch überaus prüde.

In westlichen Ländern werden Arbeitnehmer »krank geschrieben«, die nicht mehr »funktionstüchtig« und daher arbeitsunfähig sind. Sexuelle Unlust, mangelnde Libido, Impotenz oder Frigidität gelten in diesem Zusammenhang wohl kaum als anerkannte Krankheitssymptome. Ganz anders hingegen in vielen außereuropäischen Ländern. Dort gelten Menschen nur dann als rundum gesund, die sich körperlich, geistig und psychisch wohl fühlen, in einem intakten sozialen, beruflichen und familiären Umfeld leben und ein erfülltes Liebesleben haben. Mittel und Rezepte zur Stimulierung des erotischen Begehrens gehören daher zu jeder Hausapotheke.

In der Karibik findet man auf Märkten nicht nur Obst, Gemüse, Kräuter, Fleisch, Fisch, Feld- und Meeresfrüchte, sondern auch in Rum eingelegte potenzanregende Kräutermixturen und Bündel von Bois bandé (Richeria spp. oder »Erektionsholz«). Sie dienen vornehmlich der Vitalisierung der Manneskraft und werden von den Marktfrauen ohne prüde Umschweife mit Zubereitungs- und Dosierungshinweisen verkauft. Im Amazonasgebiet bereichern unzählige Mixturen pflanzlicher und magischer Art die aphrodisierende Produktpalette, und die meisten Familien sind stolz auf überlieferte Rezepturen von Siete Raizes, einem alkoholischen Getränk, bei dem die Kraft von sieben Wurzeln Wollust und Liebe entfachen. Auch bei uns Europäern wirkte es durchaus in dieser Richtung.

Von wegen freizügig!

Bei unseren ethnobotanischen und ethnopharmakologischen Feldforschungen entdeckten Christian Rätsch und ich, dass der selbstverständliche Umgang mit Liebesmitteln und deren kulturelle Bewertung verblüffenderweise völlig unabhängig vom freizügigen oder prüden Umgang mit Sexualität ist! Sexuell aufgeklärte westliche Industrienationen wie Deutschland, wo Produkte mit barbusigen Schönheit beworben werden und der Sexualkundeunterricht auf dem Lehrplan steht, stellen die erotische Stimulierung durch Aphrodisiaka sehr viel eher in Frage als Kulturen wie z.B. Indien, die allgemein als prüde gelten.

Wie erklärt sich dieser paradoxe Sachverhalt? Die plausibelste Antwort lautet: durch die zunehmende Entfremdung von der Natur. Unsere Kinder wachsen in Städten auf. Sie malen Kühe lila, weil sie sie lediglich aus der Milka-Reklame kennen, beantworten die Frage nach der Herkunft von Milch und Eiern mit: »die kommen aus dem Supermarkt« und erinnern sich an Kaugummi und Bonbons, wenn ihnen eine Pfefferminzpflanze vor die Nase kommt.

So trifft auch für die Entwicklung unserer Sinne und Sinnlichkeit nach wie vor das alte Sprichwort zu: »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.« Wie sollten wir als Erwachsene empfänglich sein für sinnlich betörende Düfte, wenn wir nur kultivierte Rosen aus dem Blumenladen kennen, deren natürlicher Duft bei der Züchtung von Farben und dauerhaften vielblättrigen Blüten auf der Strecke blieb? Wie erkennen wir an Fertigprodukten wie »Muscheln in Tomatensauce«, die wir auf unsere Pasta kippen, die auffallende Ähnlichkeit der Venusmuscheln in Aussehen und Beschaffenheit mit dem weiblichen Geschlecht (einer Ähnlichkeit, der sie im übrigen auch ihren Namen verdanken)?

Eine Kultur ohne Sinnlichkeit

Lexika erklären Aphrodisiaka als »den Geschlechtstrieb anregende Mittel«. Eine technisch korrekte Definition, die für unseren Umgang mit Liebesmitteln symptomatisch ist. Ist der Trieb erlahmt, schmeißen wir ein Mittel wie Viagra ® ein, damit »es« wieder funktioniert.

Der technisch-medizinische Aspekt ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Das was an der Liebe nicht wäg- und messbar ist, kann davon nicht erfasst werden. Die sterilen Laborbedingungen, unter denen die Wirksamkeit von Liebesmitteln in Tierversuchen getestet werden, distanzieren uns meilenweit von eigenen sinnlichen Erfahrungen. Der Komplexität der elementaren Kraft der Liebe werden althergebrachte Bezeichnungen wie »Aphrodisiaka«, »venerische Mittel« und »Lenzmittel« weitaus eher gerecht. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die griechische Göttin der Schönheit und Liebe, Aphrodite, auf ihre römische Entsprechung Venus und die alljährlich erblühende Fruchtbarkeit der Natur, der wir immer wieder Frühlingsgefühle verdanken.

Wer sich auf das Abenteuer persönlicher Begegnungen mit traditionell überlieferten natürlichen Liebesmitteln einlässt, begibt sich auf eine Reise in vernachlässigte und nach wie vor unerforschte Regionen des sinnlichen Erlebens.

Dieser Artikel ist erschienen in der Connection-Ausgabe Mai-Juni/2004
Weiterführende Literatur: Connection – Das Magazin fürs Wesentliche: www.connection.de

Rätsch, Christian und Claudia Müller-Ebeling: Lexikon der Liebesmittel. Pflanzliche, mineralische und tierische Aphrodisiaka, AT-Verlag (mit 480 Aphrodisiaka)

Claudia Müller-Ebeling, Jg. 56, promovierte Kunsthistorikerin und Ethnologin. Feldforschungen zum Heilpflanzenwissen in der Karibik und auf den Seychellen, zum Schamanismus in Nepal, Korea und dem peruanischen Amazonasgebiet. Diverse Artikel- und Buchveröffentlichungen, u.a. »Hexenmedizin«, »Schamanismus und Tantra in Nepal«. Gibt eigene Seminare zum Thema »Aphrodisiaka«.

 

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