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Trauer – aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Herbst ist die Zeit des Rückzuges, die Zeit des Abschieds, die Zeit der Trauer. Trauer ist Energie (Qi), die sich in einem lebenswichtigen Gefühl manifestiert. Wenn diese Energie stockt, also stagniert, übermäßige Trauer oder gar keine Trauer empfunden wird, kann sie zu körperlichen Beschwerden führen. Diese steckengebliebene und unerlöste Trauer führt mit der Zeit zu körperlichen Reaktionen, zum Beispiel Spannungen im Schulter- und Nackenbereich, die sich bis zu ernsten Erkrankungen entwickeln können.Das Qi muss wieder fließen, die Trauer wieder in Bewegung kommen, damit sie nicht eingekapselt in uns zurückbleibt und uns unbewusst ein Leben lang begleitet.Herbst, Trauer, Abschied, Trennung entspricht in der TCM dem Element Metall.

Herbst ist die Jahreszeit, in dem die Hitze des Sommers der Kühl des Herbst/Winters weicht. Eine Periode, in der Yang (Sommer) dem aufsteigenden Yin (Herbst/Winter) Platz macht. Führten wir im Sommer ein Leben, das nach außen gerichtet war, beginnen wir nun, uns zu uns selber zurückzuziehen und Ruhe zu tanken. Durch den Rückzug und die Besinnung finden wir zu innerer Ruhe und Ausgleich und können uns auf die Erfordernisse des nächsten Zyklus einstellen.Viele Menschen spüren diesen Übergang und immer wenn wir von etwas Altem scheiden (auch wenn es nur für sechs Monate ist), fühlen wir das Gefühl der Trennung, der Trauer. Unterstützt wird dieses Gefühl auch dadurch, dass sich auch die Energien der Umwelt bereit machen, sich zurückzuziehen. Die Bäume verlieren ihr Blätterkleid, auch hier eine Phase der Trennung und des Abschieds, auch wenn wir wissen, dass dies ein notwendiger Schritt ist, denn wenn sich der Baum nicht vom Alten trennt, ist für das Neue (im Frühling) kein Platz.

Weiß ist die Farbe...

Die Farbe des Element Metalls ist weiß. Weiß entspricht in der TCM dem Westen, dort wo die Sonne untergeht – ehe sie ganz verschwindet und sich von ihrem Farbenspiel verabschiedet hat, wird sie zu einer silber-weißen Scheibe. Ein weißer Gegenstand strahlt alle Lichtwellen ab, er behält nichts zurück, lässt alles los. Weiß ist daher die Farbe des Abschiednehmens, des Loslassens.


Dickdarm, trennt Reines von Unreinem

Die beiden Organe, die dem Metallelement zugeordnet sind, entsprechen logischer Weise all diesen Naturbeobachtungen.

Der Dickdarm, der die Funktion hat, Reines von Unreinem zu trennen (auch hier die Funktion des Trennens!). Er steht schlechthin für die Energie des ‚Loslassens’. Menschen, die zu Verstopfung neigen, können oft nicht loslassen, möchten alles gerne kontrollieren und lassen nicht zu, dass etwas einfach geschieht.

Dieses Zurückhalten und nicht Los-lassen-Können betrifft aber nicht nur den Dickdarm, auch das zweite Organ, das dem Metallelement zugeordnet ist, ist davon betroffen – die Lunge, man hält die Atemluft zurück...


Die Lunge, Vermittler zwischen Yang und Yin

Die Lunge richtet sich einerseits nach außen zur Haut (Yang), andererseits aber auch nach innen und unten (Yin), ganz wie der Herbst den Wechsel von Yang zu Yin vollzieht. Wenn wir also jetzt im Herbst zu viel im Außen agieren, dann kann sich unsere Lebenskraft sehr schnell im Außen verlieren. Dabei sind alle Aktivitäten gemeint, physische sowie psychische. Wenn wir unsere Lebenskräfte im Herbst nach Außen wenden, bleibt uns im Winter nicht genügend Lebensenergie, um genügend Kraft und Reserven anzusammeln. Ähnlich wie der Landwirt, der im Herbst damit beschäftigt ist, Vorräte für den Winter zu sammeln. Würde er statt dessen seinen Vergnügungen nachgehen, hätte er im Winter nichts zu essen.

Die Emotion die der Lunge entstammt, ist die Trauer. Es ist das Gefühl, das dem Herbst entspricht. Sammlung, Rückzug, Abschiednehmen und das Hinwenden zum Geistlichen und/oder Feinstofflichen. Friedhofskult, Halloween und andere Feste zeugen davon, dass auch in anderen Kulturen ähnlich empfunden und zugeordnet wurde und wird.


Trauer, ein lebensnotwendiges Gefühl

Die TCM geht davon aus, dass jedes Gefühl seine Richtigkeit hat und es wichtig ist, es zu fühlen. Erst wenn ein Gefühl im Übermaß und zu lange vorherrscht, wirkt es sich auf der körperlichen Ebene krankmachend aus.

Trauer hilft uns dabei, Verluste zu verarbeiten. Wenn jemand stirbt oder man sich vom Partner trennt, dann ist das ein Verlust. Wir werden gleichsam gezwungen, in unserem Alltagsgeschehen eine Veränderung anzunehmen, die wir aber vorerst nicht akzeptieren wollen. Wir müssen uns Trennen – und Trennung schmerzt. Der Schmerz (die Wut...) ist aber meist das Gefühl, das uns hindert wirklich zu trauern.

Über die Trauer bekommen wir den Zustieg in den ‚Zyklus der Verarbeitung von Verlusten’, der uns auch wieder herausführt aus der Phase und hinein in eine Welt neuer Perspektiven und Möglichkeiten (dem Frühling).Ähnlich wie der Baum ohne (erkennbare) Emotion es erduldet, sein Blätterkleid zu verlieren, gelingt es uns über die Energie der Trauer Loszulassen. Die Trauer hilft uns, Altes loszulassen und Abschied zu nehmen. Wir schauen dem Verlust ins Auge und haben aktiv Teil an unserem Leben.Und genau hier liegt auch die ‚Lösung’ – dieses aktive Teilhaben, diese Bewegung des Loslassens, führt uns zur nächsten Energie – der Möglichkeit zur Veränderung. (Dem Frühling, wo der Baum neue Blätter bekommt.)

Wenn Trauer krank macht

Doch wenn der Zustand der Trauer zu lange anhält (aber auch, wenn ein Mensch gar nicht trauern kann), verletzt und schädigt dies sein Metallelement und kann zu Störungen im körperlichen Bereich (Lunge und/oder Dickdarm) führen.

Wichtig: Körperliche Beschwerden lassen Sie bitte von Ihrem Arzt abklären!

Ist der Schmerz des Verlustes zu groß, als dass er vom Menschen zugelassen wird, dann tritt der Mensch in eine Art Schleife ein, in der er den Verlust permanent wiederholt. Die Trauer bleibt am tiefsten Punkt stecken, der Schwung, die Aktivität in Richtung Neuanfang fehlt. Körperlich kann das zu Atemwegserkrankungen führen, zu Erkrankungen der Nasennebenhöhlen, sich mit häufiger Verkühltheit bemerkbar machen, sich in Hauterkrankungen manifestieren oder zu Beschwerden im Bereich des Dickdarms führen.

Der trauernde Mensch zieht sich in sich zusammen, schlingt die Arme um die Knie, möchte seine Umwelt ausschließen. Genau hier liegt auch schon Hilfe. Wenn er sich öffnen kann, die Arme weit ausstreckt zu beiden Seiten und tief durchatmet, dann gelangt neue Lebensenergie in die Lunge, die ihm hilft, dass seine Trauer in Bewegung kommt. Das Öffnen ist die Gegenbewegung zum ‚Sich verschließen’.Eine weitere Gegenbewegung kann sein, dass der trauernde Mensch sich wieder unter Menschen begibt, sich einen lustigen Film ansieht oder einfach nur bewusst versucht zu lachen.Das Hinausgehen und das Lachen sind Energien, die die Trauer aufheben, dabei ist keineswegs gemeint, dass der Gegenstand der Trauer nun weniger ernst geworden ist. Nein, durch das Lachen und den Versuch, wieder Freude zu spüren (und sei es nur für einen kleinen Moment), kommt Bewegung in die Trauer und wir erkennen neue Zukunftsperspektiven.

Tränen, die Quelle der Trauer

Tränen können jede Gefühlsregung begleiten. Sobald ein Gefühl unser Herz wirklich berührt, fließt ‚es’ über. Im Herzen fühlen wir, das Herz ist der Hort unserer Gefühle. Daher gelten Tränen nur dann als echt, wenn sie ‚direkt aus dem Herzen kommen’. Tränen haben im Trauerprozess eine wichtige Funktion. Wenn erst einmal die Tränen fließen, dann bedeutet das, das wir im Fluss (des Trauerprozesses) stehen. Wenn Tränen fließen, trauern wir.Oft können Menschen nicht weinen, wenn sie in der ‚Trauerschleife’ fest hängen. Wenn sie die Tränen zulassen, dann kommt auch der Prozess wieder in Schwung, der Kreislauf hin zum Neuanfang kann fließen.


Nahrungsmittel, die das Metallelement stärken

Wie immer bei meinen Ernährungstipps möchte ich zu aller erst darauf hinweisen, dass jeder Mensch anders ist und daher die folgenden Lebensmittel nur allgemeine Empfehlungen sind. Ob Sie tatsächlich an einer energetischen Schwäche des Metallelements leiden, kann ich (oder Ihr TCM-Arzt) nur nach einer ausführlichen TCM-Befragung, TCM-Pulsdiagnose und TCM-Zungendiagnose erkennen. Erst auf Grund dieser Ergebnisse können individuelle Ernährungspläne erstellt werden.

Die Geschmacksrichtung für das Metallelement ist ‚Scharf’. Wenn Sie also nach scharfen Speisen ausgeprägten Guster haben, dann weist das darauf hin, dass sie vermehrt Metallenergien brauchen. Mäßig scharfe Spiesen hie und da fördern das Metallelement. Doch allzu viel Scharfes kann austrocknend auf unsere Säfte (Blut und Körpersäfte, z.B. trockene Haut, trockene Schleimhäute, trockene Augen...) wirken.

Um Ihre Lunge zu stärken, können Sie zwischen 15 und 17 Uhr etwas Süßliches zu sich nehmen. Dabei eignen sich ganz besonders gut Trockenobst, Nüsse mit Trockenobst, einige Rosinen oder einen Happen vom ‚selbstgemachten Marzipan’. Aber auch Getreide oder Bohnen haben einen leicht süßlichen Geschmack (wenn man ausreichend kaut).Zusätzlich nehmen Sie folgende Lebensmittel vermehrt zu sich: Hafer, Erdnuss, Walnuss, Mandeln, Sellerie, Karotte, Pastinake, Champignon, Knoblauch, Weintraueben/Rosinen, getrocknete Marillen, Gans, Butterschmalz, Basilikum, Bohnenkraut, Thymian, Majoran, Origano, Rosmarin, Ysop Garen Sie Ihre Speisen im eigenen Saft oder im Backrohr, machen Sie Kompotte. Vermeiden Sie die ‚Feuchtigkeitstankstellen’ (Kaltes, Rohes, Milch & Co) und alles extrem Scharfe. Gehen Sie in eine Ebene (oder auf einen Berggipfel) spazieren, richten Sie Ihr Auge auf den Horizont, tanken Sie diese Weite, die Sie zu neuen Perspektiven führen wird.

Alles Liebe!

Urheberrechte: Eva Laspas, TCM-Ernährungsberaterin, www.laspas.at

 

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