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Wer will noch Kinder?

von Barbara Strauch

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern und die Medien von den Titelseiten: Uns gehen die Kinder aus! Das geht uns alle an. Es ist ein gesellschaftspolitisches Thema ersten Ranges. Beinahe der ganze mitteleuropäische Raum jammert über die niedrigsten
Geburtenzahlen seit dem 2. Weltkrieg, kämpft mit dem akuten Problem der „Veralterung“ und bangt um zukünftige
Pensionsgelder... Was machen wir falsch? Wo sind die Lücken im Sozialsystem, die Frauen und Männern die Fortpflanzung
vermiesen? Und welche Lösungen bieten sich an, um auch in Zukunft ein Gleichgewicht der Generationen zu garantieren?

Das Thema ist so brisant geworden, dass sich mittlerweile eine Menge kluger Köpfe aus verschiedensten Lagern damit auseinandersetzen. Darunter auch einer der wichtigsten Meinungsmacher Deutschlands, Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). In seinem im März 06 erschienenen Buch „Minimum“ prognostiziert er uns den gesellschaftlichen Zusammenbruch durch Kinderlosigkeit… und entfachte damit heftigste Debatten. In einem Profil-
Interview (Ausgabe 13. März 06) meint Schirrmacher: „Das Ideal begegnet uns eben nur mehr in Form der Karikatur…“. Damit spielt er auf die Comic-Familie „Simpsons“ an: „Die haben zwar blaue Haare und einen sehr rüden Umgangston - aber immerhin auch die erforderlichen drei Kinder…“. Demografen haben nämlich errechnet, dass drei Kinder pro Paar für den Erhalt unserer Gesellschaft notwendig wären. Wer aber bei uns in Österreich oder Deutschland drei oder mehr Kinder hat (und
genau damit den gesellschaftlichen Fortbestand sichert), bekommt dafür von ebendieser Gesellschaft einen kräftigen Tritt in den A...., der ihn mitsamt seinen Kindern über die Armutsschwelle katapultiert. Denn ab dem dritten Kind steigt das Armuts-Risiko enorm - egal ob die Eltern in Partnerschaft leben oder allein erziehend sind. Wen wundert’s also, dass sich heutzutage jeder vernünftige Mensch lieber dreimal überlegt, obüberhaupt und wenn ja, wie viele Kinder er in die Welt setzen will?

Einsame Einzelkinder
Die in China erzwungene Einzelkind-Gesellschaft - welche wir aus der Ferne skeptisch beäugen und kritisieren - haben wir also sozusagen längst selber vor der Nase. Was bedeutet das für die Zukunft jener vielen Einzelkinder? Schirrmacher reagiert auf diese Frage besorgt: „Sie müssen schon heute die Last der Verbindlichkeiten von zwei Erwachsenen tragen. So ein Kind hat auch keine Geschwister und kaum gleichaltrige Verwandte - es erlebt also selbst gar nicht mehr, was Familie im klassischen Sinn bedeutet. Familienstrukturen sind aber auch Urgewalten an Solidarität… und: Familien sind die verlässlichsten
Sozialisationsmaschinen. Durch ihr Verschwinden fehlt auch das Bewusstsein für das, was man „moralische Ökonomie“ nennt: etwas für andere zu tun, ohne dafür bezahlt zu werden. Genau das lernt die Generation, die 2030 in den Arbeitsmarkt einsteigen wird, nicht mehr… Und dann sag ich schon jetzt Gute Nacht…“. Es gibt also immer weniger Kinder, und die werden in stetig wachsender Isolation aufgezogen. Nur noch in ca. einem Drittel der österreichischen Haushalte findet man die Konstellation „Paar mit Kindern“ (Quelle: Statistik Austria, 2004). Bereits 34 % sind Ein-Personen-Haushalte, und - meines Erachtens die schlimmste Zahl - in nur mehr 3,3 % aller Haushalte leben mehrere Generationen oder mehrere, nicht verwandten
und auch nicht liierte Personen mit und ohne Kinder. Dabei wäre Letzteres die mit Abstand sozialste und gesündeste Lebensform für ALLE Beteiligten, nicht nur für die Kinder… darauf komme ich aber später noch genauer zu sprechen.

Mütter ohne Netz
Die zunehmende Isolation von Müttern ist ein weiteres Zeichen unserer Zeit. Mütter mit Kleinkindern vollbringen oft wahre Balanceakte, um die täglichen Anforderungen von Beruf, Familie, Kindern zu meistern. Und viele von ihnen müssen dies weitgehend ohne Sicherheitsnetz bewältigen. Ein Netz zu haben bedeutet, die vielen alltäglichen Anforderungen nicht gänzlich alleine bewältigen zu müssen. Es bedeutet auch, in Krisensituationen nicht völlig aus dem Gleichgewicht zu
kommen und aufgefangen zu werden. Es bedeutet, Kontakte zu anderen Menschen zu haben, sich gegenseitig zu unterstützen, wie es früher eben üblich war - da halfen Großmütter, Nachbarinnen, Schwestern, Cousinen… Die offizielle Jugendwohlfahrt ist dafür natürlich nicht die richtige Anlaufstelle. Es kann nicht alles eine Aufgabe der öffentlichen Verwaltung sein, meine ich. Außerdem fällt es lange keinem auf, wenn eine Mutter nicht in die Mutterberatung kommt! Hausbesuche von Hebammen oder Sozialarbeiterinnen gibt es kaum mehr. So merkt es niemand, wenn eine junge Mutter lange Zeit keinerlei Kontakt zur
Außenwelt hat. Jeder von uns kennt die Geschichten von alten Leuten, die in ihrer Wohnung einsam gestorben sind, ohne dass sie irgend jemandem fehlen oder abgehen. Genau so können Mütter (egal ob in Partnerschaft oder allein lebend) heute in Not und Kummer, Überforderung, Einsamkeit und sogar mit Vorwürfen aus dem Umfeld konfrontiert, wochen- ja sogar
jahrelang völlig isoliert leben, ohne Hilfe von außen. Der Unterschied zu den einsamen alten Menschen ist nur jener, dass in dieser mütterlichen Einsamkeit Kinder aufwachsen müssen. Was wir diesen Müttern und Kindern durch die erlebte Isolation zumuten, erfahren wir meistens erst dann, wenn irgendwas Schlimmes passiert oder jemand ernsthaft dabei erkrankt, z.B. an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder an einer schweren Depression.

Existenzängste
Warum ich die ganze Zeit nur von den „Müttern“ spreche, hat einen einfachen Grund - denn Tatsache ist, dass die Erziehungsarbeit der ersten Lebensjahre noch immer hauptsächlich an den Frauen hängt. Wer an dieser Stelle gleich empört aufschreit, übersieht hier etwas ganz Elementares: Bei allem Bemühen um Gleichberechtigung und Emanzipation der Frauen - es geht uns doch um Gleich- BERECHTIGUNG und nicht um Gleich-MACHUNG der Geschlechter. Viele Mütter, die ich kenne, haben mir schon gestanden, dass sie nach neun Monaten Schwangerschaft und Geburt sehr wohl den „instinktiven“
Wunsch hatten, nicht gleich wieder in die Erwerbstätigkeit zu springen, sondern zumindest für ein paar Monate oder ein, zwei Jahre mit ihrem Kind zu Hause zu bleiben. Und das am liebsten geborgen, getragen, geschützt und unterstützt vom Partner, von der Familie, Freunden, von der ganzen Gesellschaft… Die Realität sieht anders aus. Seit Jahren beten uns PolitikerInnen eine
einzige Patentlösung wider die Familienfeindlichkeit vor: Wir müssen möglichst viele Kinderbetreuungsplätze schaffen, in denen junge Mütter ihre Kinder möglichst bald nach der Geburt abgeben können, damit sie möglichst rasch wieder zu vollwertig funktionierenden Rädchen am Arbeitsmarkt werden können. Die Botschaft lautet: Bekomme dein Kind, wenn du willst - aber dann marsch, wieder an den Arbeitsplatz, und sorge dafür, dass dein Kind und du (über-)leben können! Wenn eine
Frau also gern länger als für die paar Wochen Karenzzeit bei ihren Kindern bleiben möchte, bleibt ihr nur eine Möglichkeit…

Heiraten!
Die Ehe ist nach wie vor die einzige Existenzsicherung für Mütter. Rechtsanspruch auf einen gesicherten Lebensunterhalt haben nur verheiratete Frauen, denn ihr Mann hat per Unterschrift auf dem Standesamt besiegelt, für ihren Unterhalt zu sorgen, während sie ihn und die gemeinsamen Kinder versorgt. Natürlich könnte das auch umgekehrt
stattfinden, wird aber erst von 10 % der Paare so gelebt. Wird eine Frau also nicht geheiratet, oder verzichtet sie nach der
Scheidung aus Konfliktvermeidung auf ihren Unterhaltsanspruch, dann ist niemand da, der sie „erhält“ während sie damit beschäftigt ist, ihre Kinder aufzuziehen. Die finanzielle Not, in der sich besonders viele AlleinerzieherInnen befinden (immerhin 1/3 unter der Armutsgrenze!), ist himmelschreiende Realität. Nur leider „schreien“ Mütter in solchen Notlagen nicht. Sie fühlen sich meist völlig hilflos. Und manchmal spüren sie auch noch die Verachtung ihrer Umgebung, die meint, irgend jemand
wäre wohl schon zuständig dafür…? Am besten der Kindesvater, aber auch der Staat natürlich, der Anonymus per se, den keiner wirklich kennt, den aber trotzdem viele „Vater“ nennen. Wen wundert’s also, wenn Frauen, die nicht in Abhängigkeit leben möchten, keine Kinder mehr bekommen wollen? (Und wen wundert’s, wenn auch Männer davor zurückschrecken - immerhin haben die pro Kind 18-21% ihres Nettoeinkommens an Alimentationszahlungen zu leisten, sobald fest steht, dass sie ein Kind gezeugt haben!?) Die Abhängigkeit einer Mutter von der finanziellen Versorgung durch einen Ehemann ist nach wie vor österreichisches Recht und leider auch in deröffentlichen Meinung noch immer verwurzelt.

Illusionen!
Aber es gibt sie doch, die bestens organisierten Frauen, die berufliche Karriere, Haushalt und Kinderschar locker-flockig unter einen Hut bringen…!? Falsch! Es gelingt auch sogenannten „Karriere-Frauen“ nicht wirklich, Beruf und Familie ohne kräftige Hilfe von außen zu vereinbaren - sie verheimlichen das aber weitgehend. Eine umfangreiche Studie der Erziehungswissenschafterin Marianne Dierks (Informationsdienst desösterr. Instituts f. Familienforschung 03/06) mit Müttern in höher gestellten (und besser bezahlten) beruflichen Positionen hat ergeben: bei allen Befragten werden Kindererziehung und -betreuung, sowie Haushalts- und Organisationstätigkeiten ausgelagert oder zugekauft. „Mit schlechtem Gewissen“, wie die Frauen berichten. Denn in unseren Köpfen lebt ja einerseits das Bild der „Guten Mutter“ und wie sie zu sein hat (sie soll das gesamte Netzwerk für ein Kind verkörpern, wie die„Madonna-breit-den-Mantel-aus“!) - und andererseits das Bild der
beruflich erfolgreichen Frau, die die Versorgung ihrer Kinder mittels ihres guten Einkommens selbst finanziert (wofür im vergangenen Jahrhundert fast nur die Väter zuständig waren). Oft schon habe ich von Managerinnen gehört: „Eigentlich bräuchte ich Zuhause für die Versorgung der Kinder und auch für meine Versorgung eine Hausfrau“. Ich frage: Warum nicht? Das wär doch ein Schritt in Richtung Frauengemeinschaft!? Die Vermutung, die Ehemänner von Erfolgsfrauen würden diesen durch vermehrten Einsatz den Rücken frei halten, hat sich ja auch nicht bestätigt. Stattdessen sind es oft die Großmütter, die unterstützen, oder andere Frauen im unmittelbaren Umfeld. Auch dazu hat Buchautor Frank Schirrmacher (s.o.) eine
Meinung: „… der Wert der Töchter erhöht sich nun einmal in einerüberalterten Gesellschaft, für die die Einkindfamilie charakteristisch ist. Denn die Töchter können beides - Geld verdienen und Kinder betreuen.“

Aufgabenteilung?
Seit Jahrzehnten versucht man, Männer in die Aufgabenteilung im Haushalt zu zwingen. Das Vorhaben kann als gescheitert angesehen werden. Eine breit angelegte Studie des Institutes für Familienforschung in OÖ. hat aufgezeigt: 44 % der Frauen sind nach wie vor allein für die Haushaltsführung zuständig - und 72 % geben an, dass das „Drum und Dran mit der Kinderbetreuung meist an ihnen hängen bleibt“. Nur bei 20% der befragten Familien findet eine partnerschaftliche Aufteilung der Haushaltstätigkeiten statt. Warum haben Männer immer noch keinen Spaß daran, die Wohnung aufzuräumen, zu putzen und Wäsche zu waschen? Wahrscheinlich erwiderst du jetzt „Es macht auch den Frauen keinen Spaß, aber sie müssen es trotzdem machen“. Das stimmt so nicht. Frauen genießen es sehr, gewisse reproduktive Arbeiten zu verrichten…, wenn sie dabei mit
anderen Frauen zusammenarbeiten können. Immer öfter kommen Frauen auf die Idee, die Freundinnen zum Fensterputzen einzuladen. Es geht schneller, macht Spaß und frau ist eingebunden und in Kontakt. Wie verschieden Männer und Frauen sein können, hat sich ja aufgrund der Mars-Venus-Literatur inzwischen herumgesprochen. Wir brauchen solche Bücher als Dolmetscher, um uns überhaupt gegenseitig verstehen zu können. Was uns Frauen bisher noch fehlte, war die
Erlaubnis, direkt in unseren Haushalt, also in den Intimbereich des Familien-Lebens, andere Frauen hinein zu lassen. Mit Frauen verstehen sich Frauen auch ohne Übersetzungshilfe! In seinem Buch „Der Weg des Mannes“ versucht David Deida, den Männern klar zu machen, dass sie die Freundinnen ihrer Frau als wunderbare Ressource willkommen heißen sollen. Das schafft echte Freiräume für Männer, ohne ständiges schlechtes Gewissen, mann sollte mehr in der Wohnung anwesend sein
und mithelfen. In Wahrheit fühlen sich Frauen von anderen Frauen viel besser verstanden und unterstützt - so zeigen es uns auch indigene Völker. Was Männer auch noch daran hindert, sich „häuslich“ zu betätigen, ist das nach wie vor geringe Ansehen dieser Aufgaben. „Hausfrau“ oder„Hausmann“ zu sein, wird bei uns noch immer nicht als vollwertige, gesellschaftlich notwendige Tätigkeit gewürdigt. Deshalb sind weder die Männer (Firmenchefs) selbst, noch die Öffentlichkeit bereit, bessere
Arbeitsbedingungen für „Haushalts- und Kinderbetreuungs-willige“ Väter zu schaffen. Es werden ja nicht mal für die Mütter ausreichend gut bezahlte Teilzeitjobs angeboten.

Grundsicherung!
Was uns noch fehlt, ist eine gesetzliche Existenzsicherung für Mütter und Väter, die ihre Kinder selbst betreuen wollen. Die Tatsache, dass Familien (und hier besonders AlleinerzieherInnen) mit jedem zusätzlichen Kind mehr und mehr in die Armut rutschen, zeigt auf, dass„Vater“ Staat seine Alimente für „seine Kinder“ nicht zahlt. Jeder erwachsene Mensch hat Anspruch auf eine Existenzsicherung - egal ob er/sie arbeitsfähig ist oder nicht, z.B. in Form von Arbeitslosengeld, Pension oder Sozialhilfe…. Ein Kind - das ja offensichtlich nicht arbeitsfähig ist - hat keinen solchen Anspruch. Es gibt keine staatliche Grundsicherung für Kinder! Dafür sind ausschließlich die Eltern zuständig - nötigenfalls auch ein Elternteil allein, wenn der andere ausfällt.
In Österreich lebt jedes sechste Kind von Alleinerziehenden ohne Unterhalt. Meistens sind es die Väter, die nicht zahlen.
Unterhaltsvorschuss gibt es nur, wenn die Alimente „einbringlich“ erscheinen. Nur 52 % der Sorgeberechtigten bekommen den Unterhalt für das gemeinsame Kind regelmäßig. 17 % warten vergebens auf das Geld des Expartners und bekommen auch keinen Unterhaltsvorschuss. Es kommt aber noch dicker: Wenn beide Eltern ausfallen, und das Kind bei Pflegeeltern aufwachsen muss, wird dies zwar aus dem Sozialhilfetopf finanziert - sobald das Kind aber berufstätig wird, hat es das aufgewendete Geld in Raten zurück zu zahlen! Ein Beispiel: Eine 15-Jährige, die als Pflegekind und ohne nterhaltszahlungen leiblicher Eltern aufwachsen musste, muss ab ihrem ersten Lehrlingsgehalt monatlich etwa 100 Euro an das Land OÖ zurückzahlen! Wir scheuen also nicht einmal davor zurück, die Verantwortung für seine Existenz auf das betroffene Kind selbst abzuwälzen! Wo bleibt die gemeinschaftliche Verantwortung für „unsere“ Kinder? Es wird höchste Zeit für das
„Kinderunterhaltssicherungsgesetz“ als gesetzliche Grundsicherung für Kinder. Es geht darum, die Armut zu beenden - bei Müttern und Kindern, aber auch bei unterhaltspflichtigen Vätern. Das könnte auch die Beziehungen zwischen den Eltern entlasten.

Lösungen?
Wir wissen, dass eine außerhäusliche Tätigkeit in Bezug auf die Möglichkeiten soziale Kontakte zu pflegen und Anerkennung zu
bekommen, gesund erhaltende Komponenten hat. Wir wissen auch, dass viele Mütter einen bezahlten Job schlichtweg brauchen, um ihre Existenz zu sichern. Wir wissen, dass in Zeiten knapper werdender Arbeitsplätze der Zugang zu Erwerbsarbeit für Mütter, aufgrund ihrer schlechteren Verfügbarkeit, extrem erschwert ist. Wir wissen auch, dass die schlechte Verfügbarkeit oft mit dem Fehlen ganztägiger und erschwinglicher Kinderbetreuungseinrichtungen (gute Qualität vorausgesetzt!) zu tun hat. Was also können wir tun? Nun, man könnte z.B. versuchen, mehr kinderkompatible Jobs anzubieten. In Zeiten einer immer „freier“ werdenden Wirtschaft, die zunehmend mehr Flexibilität und Verfügbarkeit von den ArbeitnehmerInnen fordert, wenig aussichtsreich. Man kann den Zugang der Mütter zur Arbeitswelt verbessern durch den flächendeckenden
Ausbau von Kinderbetreuung (ganz flexibel und auch daheim oder in den Ferien verfügbar), und man kann die Kosten gemeinschaftlich, über Steuermittel tragen. Das ist schon eher vorstellbar. Wir könnten aber auch die Anerkennung für „Familienarbeit“ erhöhen. Am besten über eine leistungsorientierte Bezahlung für die Tätigkeiten in Haushalt und Kinderbetreuung, aber auch über Hinweise an die Öffentlichkeit, dass die Kinder „anderer Leute“ immer weniger werden,
und dadurch die Pensionen gefährdet sind. „Es gehört das Bewusstsein geschaffen, dass die Kinder den Reichtum einer Gesellschaft ausmachen - und nicht die Anhäufung von Kapital.“, meint auch Frank Schirrmacher. Damit einher muss die Sicherung der Existenz für Kinder gehen.

Gegenseitige Unterstützung
Vor allem aber kann man erziehungsverantwortlichen Müttern und Vätern zu mehr sozialen Kontakten und persönlicher Unterstützung in ihrem unmittelbaren Umfeld verhelfen. Das verursacht nur wenig Kosten bei hohem Wirkungsgrad. Eine super Idee… deren Umsetzung nicht etwa daran scheitert, dass es zu wenig Menschen gäbe, die Nachbarschaftshilfe zur Verfügung stellen möchten. Nein, es scheitert viel eher an der Scham, die Eltern immer noch haben, wenn sie merken, dass sie Hilfe brauchen. Zu weit fortgeschritten scheint der Prozess der Isolation und Vereinzelung in unserer Gesellschaft. Wir haben
Berührungsängste, hüben wie drüben. Es gibt sie aber schon, die konkreten Bemühungen zur Umsetzung dieser Idee. Zum Beispiel durch den Verein „KIB children care“ (www.kib.or.at), der sich seit 20 Jahren dafür einsetzt, dass Kinder bei
Krankenhausaufenthalten durch die eigenen Eltern betreut werden können. Dieser Verein hat sein Angebot nun auf die Betreuung kranker Kinder Zuhause ausgeweitet - und zwar durch Nachbarschaftshilfe. „Es gibt mehr Menschen die Hilfe anbieten, als solche, die Hilfe annehmen wollen…“, hört man von dort. In der Folge wurde nun auch ein
„Generationen-Netzwerk“ gegründet, welches die Möglichkeit bietet, die bereits erhaltene Hilfe im Tausch zurück zu geben - das kann auch Jahre später sein und muss nicht durch die selbe Person geschehen. Das funktioniert dann in etwa so: Eine pensionierte Hauswirtschaftslehrerin kocht für die Kinder ihrer 30-jährigen Nachbarin täglich ein Mittagessen und betreut sie vielleicht noch, bis die Mama aus der Arbeit kommt - im Gegenzug dazu kann sie mit Hilfe rechnen, wenn sie eines Tages vielleicht selbst darauf angewiesen ist.

Unsere Kinder!
Schauen wir uns doch mal um bei jenen Kulturen, die sich als Gemeinschaft für die Erziehung und Versorgung „ihrer“ Kinder zuständig fühlen. Meist sind das matriarchale Kulturen, oder zumindest matrilineare (d.h. die Erbfolge und Familienzugehörigkeit geht über die Mutterlinie). Ihre Grundhaltung ist: Kinder sind willkommen, egal wer sie gezeugt hat. Die Männer übernehmen die soziale Vaterschaft und damit Verantwortung für alle Kinder, ohne Rücksicht auf die Zeugung… So stelle ich mir eine Welt nach dem patriarchalen Zeitalter vor. Soziale Väter nehmen ihre gemeinschaftliche und persönliche Verantwortung wahr und sorgen sowohl gemeinsam für alle Kinder (über das Steueraufkommen für die Existenzsicherung von Kindern und deren Mütter), als auch individuell für ganz bestimmte Kinder - in den gelebten Beziehungen und privaten Netzwerken. Das würde viele Frauen
ermutigen, wieder Kinder zu bekommen. Hier also mein Appell an alle Männer, damit Kinder sich wieder willkommen fühlen können: Stellt euch bitte als soziale Väter und Paten zur Verfügung! Und mein Appell an alle Frauen: Stellt euch als soziale Großmütter und Patinnen zur Verfügung! Es wird sich später, wenn aufgrund der geringen Kinderzahlen die Pensionen unters Existenzminimum sinken werden, nur dieser Mensch um uns kümmern, um den wir uns zuvor gekümmert haben. Wir sollten wieder beginnen, den Wunsch nach sozialer Nähe zu spüren und zu lernen, dass es möglich ist, diese Zugehörigkeit zu Menschen auch zu leben. Es ist möglich, jenseits von Ehe und Verwandtschaft eine Vertrautheit zu erleben, die trägt und hält. Die Urform menschlichen Seins kann wieder entdeckt werden. Gerade wenn wir Kinder aufziehen brauchen wir mehr als einen oder zwei Menschen. Wir brauchen „ein ganzes Dorf“, ein soziales Netzwerk aus Freunden, in das wir zutiefst integriert sind. Erst das Sich-verlassen-Können auf Menschen, die wirklich zu uns gehören, wird unsere Grundbedürfnisse nach Sicherheit,
Geborgenheit und Zugehörigkeit befriedigen können.

Vorbild Skandinavien
In den nordeuropäischen Ländern hat man bereits auf allen drei Ebenen gute Lösungen gefunden - dementsprechend gibt’s dort so gut wie keine Nachwuchsprobleme:


1. Die Existenzsicherung von Eltern, die selbst ihre Kinder betreuen, ist
weitgehend gegeben. Es gibt 80 % des letzten Gehalts als Karenzgeld
für beide Eltern bei flexibel reduzierter Tätigkeit - egal ob sich beide oder
nur ein Elternteil um Kinder und Haushalt kümmert.
2. Die Wirtschaft bietet flexible Arbeitsmöglichkeiten für Mütter UND
Väter. Teilzeitjobs - auch für Väter - sind in Schweden z.B. ganz normal.
Die Betreuung der Kinder durch die eigenen Eltern ist gesellschaftlich
höherwertiger als die Verfügbarkeit im Job.
3. Es gibt genügend leistbare Kinderbetreuungseinrichtungen mit
guter Qualität. Tagesmütter und Kindergarten-BetreuerInnen werden
sehr gut bezahlt - ohne dass sich die Eltern dafür ausbluten müssen.

Infos:
Barbara Strauch
Jg. 1956, ist Mutter von 3 Kindern, inzwischen auch Oma,
Sozialarbeiterin bei ProMente OÖ.
Kontakt: Tel: 0664 - 541 86 18
Email: strauchb@promenteooe.at

Barbara ist auch Mit-Initiatorin der Plattform „MoN - „Mütter/Eltern ohne Netz“. Infos dazu im Internet auf:
www.promenteooe.at
(…weiter zu > news > archiv > 6.6.06: „Du musst es nicht alleine schaffen“.)

Infos über das Generationen-Netzwerk in der WEGE 4/06 und im
Internet unter:
www.gnw.or.at

 

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