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Ganz Ohr sein

Das Tomatis Hörtraining kann psychische und physische Probleme lösen.

 

Joachim Kunze betrachtet meine Hörkurve. “In diesem Frequenzbereich hören Sie etwas schlechter…“, sagt er und zeigt auf den nach unten laufenden Graphen, “…hatten Sie mal Probleme im Bereich der Lendenwirbel?“. Ich bin überrascht, denn in dieser Region meines Rückens plagte mich lange Zeit tatsächlich ein Bandscheibenvorfall.
Der Leiter des Tomatis-Instituts in Hamburg fährt mit dem Finger auf dem Papier ein Stück weiter. Bei den hohen Frequenzen entdeckt er ebenfalls ein Abfallen der Kurve. “… schon mal Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht gehabt?“ fragt er weiter. Da brauch ich gar nicht lange zu überlegen - ist es doch keine vier Monate her, dass mein linkes Gleichgewichtsorgan einen Totalausfall erlebte. An Aufstehen war für mehrere Tage kaum zu denken, das Klo erreichte ich nur torkelnd. So wurde mehr oder weniger unfreiwillig mein Interesse am Organ “Ohr“ geweckt. Später erzählte mir ein Freund von der “Tomatis-Hörkur“, die seiner Schwester und ihrem legasthenischen Kind geholfen hätte.
Die Theorie des französischen Hörforschers Alfred Tomatis besagt, dass das Ohr der Spiegel unserer geistigen und körperlichen Verfassung ist. Könnte das wirklich stimmen? Reflektiert unsere Hörkurve tatsächlich den Zustand von Geist und Körper?

Der erste Eindruck

… ist zumindest verblüffend, denn für Joachim Kunze ergeben sich offensichtlich nur aus dem Hörtest Hinweise auf meine gravierendsten somatischen Defizite. Nach der Bestandsaufnahme soll die Therapie folgen, für die nächsten zehn Tage werde ich täglich zwei Stunden lang mit Musik kuriert. Die “Tomatis-Hörkur“ soll die geschwächten Frequenzen im Ohr wieder normalisieren. Lösen sich danach alle Probleme von selbst?
Im Kopfhörer schnarrt und zischelt es. Gut, dass ich Mozart genauso gern mag wie Techno, denn ansonsten fiele mir die Entspannung schwer. Die Musik klingt hell und schrill, sämtliche Bässe sind entfernt. Dabei wechselt in unregelmäßigen Abständen die Frequenz, wird dann für ein paar Sekunden noch höher, kaum noch wahrnehmbar. Trotz dieser ungewöhnlichen Beschallung entspannt man dabei schnell, viele Patienten schlafen während des Hörens sogar ein. Auch ich mache ein Nickerchen und wache erst wieder auf, als die voluminösen Stimmen von gregorianischen Chorälen in mein Ohr dringen.
Die Kur wirkt offensichtlich. Schon am zweiten Tag bemerke ich eine Veränderung an mir: ich wache morgens ungewohnt früh auf und fühle mich trotzdem frisch und ausgeschlafen. Zudem stellt sich eine gewisse Gelassenheit, eine positive Gesamtstimmung ein, die ich mir anders nicht erklären kann.

Jeder hört anders

Lange Zeit bestand unter Wissenschaftlern Unklarheit, ob und ab wann der menschliche Fötus in der Lage ist, zu hören. Mittlerweile steht fest, dass wir schon im zarten intrauterinen Alter von viereinhalb Monaten Geräusche erkennen können. Das Ohr ist also unser erstes funktionsfähiges Sinnesorgan. Aus diesem Blickwinkel heraus, behauptet Tomatis, ist die Stimme unserer Mutter die erste auditive neurologische Matrize im Nervensystem. Und die von ihm entwickelte “Hörkur“ bemüht sich um die musikalische Rückführung des Ohres in diesen ursprünglichen Zustand, indem vorhandene Barrieren abgebaut werden.
Mit dem ersten Schrei nach der Geburt beginnt unser autonomes Leben, ab diesem Moment versorgt sich das System Mensch selbst mit Energie. Ein selbstregulierender Kreis entsteht: Die vom eigenen Körper ausgesandten Schallwellen werden vom Ohr aufgenommen und stimulieren Hirn und Körper. Im Lauf der kindlichen Entwicklung setzen sich Erfahrungen und Erlebnisse in der Psyche fest und führen nach und nach zu einer Veränderung des Hörens. Jedes Individuum hört nun anders.

Hörkur für Kinder

Hier setzt die Arbeit des Tomatis- Instituts an, von der sich vor allem Mütter mit jenen Kindern Hilfe erhoffen, die extrem unkonzentriert oder nervös sind, Lernschwierigkeiten oder Sprachstörungen haben. Wie beispielsweise Uta Bremer und ihr Sohn Alexander. Den elfjährigen Junge plagten seit Jahren schlechte Schulnoten, er war hektisch und stotterte, sein geringes Selbstwertgefühl wollte er durch ständige Kaspereien und das Ärgern von Schulkameraden kompensieren. “Die Probleme waren massiv“, erinnert sich die Mutter, “und die konsultierten Kinderärzte und Psychologen wussten keinen Rat mehr.“
Im Tomatis-Institut unterzogen sich Sohn und Mutter einer Kur, für beide wurde ein individuelles Hörprogramm entwickelt. Schon nach ein paar Tagen wurde Alexander entspannter, konnte ruhig in der U-Bahn sitzen und erledigte seine Schulaufgaben mit mehr Elan. Die Leistungen in der Schule stabilisierten sich. “Früher wollte er jeden Abend zum Einschlafen zu uns ins Bett“, erzählt Frau Bremer, “heute schläft er gerne allein.“ Aber auch die Mutter spürte Veränderungen: “Ich gewann Distanz zu meinem Sohn, viele meiner Ängste gingen verloren.“ Die Fixierung auf das jüngste ihrer drei Kinder ließ nach, auch sie entwickelte neues Selbstbewusstsein. In den über 200 Instituten auf der Welt behandelt man aus diesem Grund Mutter und Kind immer zusammen. Sobald sich der geliebte Nachwuchs verändert, beginnt auch die Mutter ihre Erfahrungen zu relativieren. Die ewige Sorge um den Sprössling weicht einem gesunden Zutrauen in die neu gewonnenen Fähigkeiten. Und dieses Vertrauen spürt das Kind - auch ohne sprachliche Kommunikation.

Wirkung auf allen Ebenen

Bei den meisten Menschen reicht eine Hörkur von drei bis vier Wochen, spätestens nach fünf Wochen täglichen Hörens kann das Ohr in seinen ursprünglichen Zustand der Hörfähigkeit zurückversetzt werden. Nach dieser Regulation gilt es, die neue Wahrnehmung mit neuem Handeln zu verbinden, motorische oder logopädische Übungen helfen, die Denkanstöße umzusetzen. Auch das soziale Umfeld reagiert nach einer Hörkur anders, auch daran muss man sich neu gewöhnen. Alexanders Mutter etwa bemerkte erstaunt, dass plötzlich viel mehr Klassenkameraden ihres Sohnes anriefen, um sich mit ihm zum Spielen zu verabreden.
Mittlerweile habe auch ich sechs Tage Hörkur hinter mir - und das Hören gefilterter klassischer Musik zeigt seine Wirkung auf faszinierende Weise: Vor fünf Jahren lädierte ein Skiunfall mein rechtes Knie, eine Verletzung, welche die Motorik des gesamten Bewegungsapparates nachhaltig beeinträchtigte - sowohl einigen Freunden als auch mir selbst fiel mein schwach humpelnder Gang auf. Überraschenderweise fängt nun, nach der Hälfte der Tomatis-Therapie, mein rechtes Bein an, sich neu auszurichten. Gerade beim Fahrradfahren bemerke ich, dass Oberschenkel, Knie und Unterschenkel miteinander eine leichte Korrektur ihres Zusammenspiels vornehmen.

Unser Ohr

…übernimmt weit mehr Aufgaben, als nur den Schall seiner Umgebung aufzunehmen. In seinem Inneren sitzt auch das Vestibular- oder Gleichgewichtssystem. Dieses kontrolliert die Balance, die Koordination des Körpers und die Spannkraft der Muskeln. Durch unseren Gleichgewichtssinn sind wir in der Lage, ein inneres Bild unseres Körpers im Raum zu fabrizieren, und es ist eine wichtige Schaltstation für alle sensorischen Informationen, die unser Gehirn erreichen wollen. Funktionieren die Gleichgewichtsorgane in beiden Ohren korrekt, hält der Mensch die Balance.
Glaubt man den Angaben von Alfred Tomatis, spielt das Ohr aber noch andere, erheblich weitergehende Rollen im menschlichen Körper. Im Verlauf seiner Tätigkeit hat der Forscher entdeckt, dass hohe Frequenzen unser Gehirn aufladen, während uns niedrige Töne zu einer motorischen Aktivität auffordern. So erklärt sich für Tomatis auch die menschliche Neigung, nach tiefen Rhythmen (Bässen) zu tanzen, während das Hören der Brandenburgischen Konzerte ein gänzlich anderes Verhalten produziert. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass hyperaktive Kinder durch ständige Bewegung versuchen, ihr Gehirn mit mehr Energie zu versorgen und die Disbalance zwischen beiden Ohren wiederherzustellen. Ist unser Hirn “gut geladen“, so Tomatis, fällt es einfach leichter, sich zu konzentrieren, organisieren, zu lernen und zu erinnern.

Rechts- und Linkshörer

Es hört sich vielleicht komisch an - aber nach der Tomatis-Lehre besitzen alle Menschen ein dominantes Ohr. Wie Rechts- und Linkshänder gibt es also auch Rechts- und Linkshörer. Und viele der jungen Tomatis-Patienten fallen durch eine Linkslastigkeit ihres Gehörs auf. Das Hör-Training bemüht sich um ein Ausbalancieren des aktiven Hörens - denn das rechte Ohr ist schneller bei der Verarbeitung von Informationen. Rechtshörer sind besser in der Lage, die Parameter ihrer Sprache zu kontrollieren, also Intensität, Frequenz, Timbre, Rhythmus und den Fluss der Sätze. Und eine effektive Kontrolle der Stimme bewirkt auch eine bessere Kommunikation - womit auch der Zusammenhang von Stimme und Ohr deutlich wird. Bereits 1953 postulierte der agile Franzose Tomatis einen Satz, der heute als das “1.Tomatis-Gesetz“ bekannt ist: “Die Stimme enthält nur das, was das Ohr hört.“ Es gibt also eine untrennbare Verbindung zwischen Hörfähigkeit und stimmlicher Äußerung.
Die legendäre Sopranistin Maria Callas vertraute sich aus genau diesem Grund dem Professor persönlich an: Ihr Gehör war nämlich nicht in der Lage, die gesungenen Töne korrekt zu interpretieren. Um ihre und andere Stimmen zu korrigieren, erdachte Tomatis das, was er heute als “elektronisches Ohr“ bezeichnet. Vereinfacht gesagt, besteht dieses Hilfsgerät aus einem speziellen Kopfhörer und einer Musikanlage. Dabei spielt es die gefilterte Musik so ab, wie ein intaktes Ohr hören würde - eben so, wie sie der gesunde Fötus im Mutterleib einmal gehört hatte. Dem Ohr des Patienten wird also vorgeführt, wie es wieder richtig hört.
Am Beispiel des “elektronischen Ohres“ wird auch deutlich, worin sich die Tomatis-Methode von der klassischen Theorie des Hörens unterscheidet. Letztere nimmt nämlich an, dass ausschließlich Hammer, Steigbügel und Amboss die Schallüberträger vom Trommelfell zum Innenohr sind. Nach Tomatis überträgt sich der Schall aber vom Trommelfell auf den gesamten Schädel und bringt diesen leicht zum Schwingen. Deswegen ist auch der Kopfhörer in der Hörkur um eine zusätzliche Variante bereichert worden: Über einen kleinen Extra-Lautsprecher wird dem Patienten der verzerrte Mozart nicht nur über die Ohren, sondern auch über die Mitte der Schädeldecke zugeführt.

Neue Zugänge

Ein Vergleich meiner eigenen Hörkurven von Anfang und Ende der Kur zeigt die Unterschiede: Die beiden Hörkurven haben sich deutlich angenähert, außerdem sind einzelne “Ausreißer“ vom ersten Hörtest in ihren normalen Verlauf zurückgekehrt.
Neben der vorhin schon erwähnten Verbessern der Feinmotorik des Bewegungsapparates bemerke ich aber auch eine andere, vielleicht sogar noch erstaunlichere Veränderung: Als eher rationaler Typ war ich bislang beim Zeigen von Gefühlen eher vorsichtig, der Zugang zur emotionalen Seite meines Charakters fiel mir schwer. Doch schon während der Hörkur bemerkte ich eine Öffnung für die sensiblen Seiten des Miteinanders. An einem Abend etwa ergriff mich eine, rational betrachtet ziemlich abgegriffene Soap-Opera im Fernsehen zutiefst. Und im Gespräch mit Freunden und Bekannten begann ich plötzlich, viel öfter Emotionen zu zeigen. Ein Veränderung, die bis heute anhält. Für den Experten Kunze kein Wunder: “Bei entsprechender Filterung können die Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur durchaus gravierend sein.“

Beitrag zur Völkerverständigung

Für Tomatis endet die Reichweite seiner Theorie nicht bei der Heilung von Kindern und der Stimmverbesserung bei Erwachsenen. Er ist sicher, dass durch seine Hörkur jeder Mensch mehr Selbst-Bewusstsein und damit mehr Selbständigkeit erlangen kann. “Zu-Hören“ bedeutet für ihn auch, sein Gegenüber zu akzeptieren.
Im Laufe seiner Forschung maß Tomatis die - wie er es nennt - “akustischen Milieus“ in unterschiedlichen Gegenden der Welt. Aus seiner Sicht lässt sich die Entstehung der verschiedenen Ethnien genau mit den unterschiedlichen Hörmilieus erklären: Liegen die Hörkurven gewisser Völker trotz ihrer räumlichen Nachbarschaft weit auseinander, haben diese erhebliche Verständigungsprobleme. Beispielhaft will er dies an den Hebräern und Arabern nachgewiesen haben. Sein Ansatz zur Lösung: “Über die Hörkur öffnet sich eine Tür von Herz zu Herz“. Und er ist überzeugt, dass durch die verbesserte Kommunikation ein besserer Dialog entsteht - “… und damit auch weniger Dummheiten in der Welt.“
Wie könnte wohl die Hörkurve von George Bush oder Saddam Hussein aussehen…?

Text zur Verfügung gestellt von Jörg auf dem Hövel
Kontakt: www.wege.at

 

 

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