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I. Prolog – Der Beginn des Weges

Wie war ich nur hierhergekommen? Genau wusste ich es nicht. Wie war ich hierher auf diesen Jahrmarkt gekommen?, ich musste heute irgendwie auf meinem Nachhauseweg anders abgebogen sein, anders als sonst. Wenn ich es mir recht überlegte, hatte ich gar nicht gewusst, dass ein Jahrmarkt in der Stadt war. Nachdem mich mein Weg aber hierher geführt hatte, konnte ich mir den Jahrmarkt auch anschauen, beschloss ich. Ein wenig Abwechslung von meinem tristen Alltag würde mir außerdem sicherlich gut tun und wer weiß, vielleicht konnte ich meine Zeit hier sogar genießen. Neugierig schlenderte ich zwischen den Ständen auf und ab, begann die ausgelassene Stimmung am Markt mehr und mehr in mich aufzunehmen. Ohne Ziel ging und schaute ich, bis ich ein Jahrmarktzelt entdeckte, das mich irgendwie ansprach. Beinahe magisch wurde ich davon angezogen. „Fräulein Inga - Wahrsagerin“ stand in bunten Buchstaben auf dem Zelt.

Verächtlich rümpfte ich meine Nase, denn eigentlich hielt ich nicht besonders viel von Wahrsagern. In meinen Augen waren das alles Scharlatane, aber heute war wohl alles anders: Ich wollte etwas über meine Zukunft erfahren. Entschlossen näherte ich mich dem Zelt, wollte schon hineingehen, doch überlegte es mir im letzten Moment wieder anders und ging am Zelt vorbei. Nur, um wieder umzudrehen und das Spiel von neuem zu beginnen. Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, in der ich mit mir selbst rang, ob ich hineingehe sollte oder nicht, trat eine alte Frau aus dem Zelt und schaute sich suchen auf dem Jahrmarkt um. Ob das wohl Inga war?, fragte ich mich. War das die Wahrsagerin? Sie sieht zumindest so aus, wie ich mir eine Wahrsagerin vorgestellt hatte, dachte ich und musste lächeln.

Sie erblickte mich, winkte mir zu und rief ich solle ruhig zu ihr kommen. Ich ging also näher und auch aus der Nähe betrachtet war sie wirklich eine alte Frau, ich konnte nicht einschätzen wie alt, aber siebzig Jahre war sie sicher, dachte ich mir. Trotz des Alters stand sie aufrecht und mit einer gewissen Leichtigkeit, ihr weißes Haar glänzte sogar noch ein wenig und ihre Augen funkelten und leuchteten mich viel jünger an. Auch ihr Gesicht, das mir entgegenlächelte, wirkte junggeblieben und strahlte etwas unglaublich Freundliches und Vertrauenserweckendes aus. Ihre Augen, die mich schelmisch anschauten, hatten einen durchdringenden Blick, mit dem sie mich genau in Augenschein nahm. So, als ob sie tief in mich hinein schauen würde und einfach alles in mir sehen könnte, was selbst ich nicht sehen konnte. So intensiv fühlte sich zumindest ihr Blick an.

„Endlich bist du da! Willst du nicht reinkommen? Wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit“, lächelte sie mich an. Erstaunt schaute ich sie an. Auch wenn ihre Worte etwas schroff klangen, in ihrer Stimme schwang eine Güte und Liebe mit, wie ich es selten zuvor gehört hatte. Um ehrlich zu sein hatte ich eine Stimme wie diese noch nie gehört und doch klang sie so vertraut für mich. Ich folgte ihr in das Zelt, sie deutete auf den Besucherstuhl und ich setzte mich, ohne genau zu wissen, worauf ich mich da gerade eingelassen hatte. Neugierig schaute ich mich in ihrem Zelt um und versuchte, mir einen Überblick zu verschaffen. Meine Blicke blieben ihr nicht verborgen und sie grinste mich an. „Wenn du die Kristallkugel suchst, so etwas habe ich nicht. Aber wenn du gerne eine möchtest…“, sagte sie mit einer theatralischen Handbewegung und hielt plötzlich eine wunderschöne Kugel aus Kristall in ihrer Hand.

Jetzt hatte sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wie hatte sie das nur gemacht? Wo war diese Kristallkugel so plötzlich hergekommen?, staunte ich mit offenem Mund. Fragen schwirrten mir durch den Kopf. „Du hast wohl immer so viele Fragen im Kopf“, stellte die Alte fest und grinste mich wieder an. „Zu viele Fragen, die deine Antworten übertönen.“ Ich schwankte zwischen: Mich ertappt zu fühlen wie ein kleiner Junge, der gerade ein Bonbon geklaut hatte und dem Bedürfnis, mich über sie zu ärgern, weil sie mich zu kennen glaubte. Und was mich wohl am meisten störte, ich fühlte mich von ihr beurteilt. Sie ließ sich davon nicht im Geringsten beeindrucken, sondern erklärte mir: „Du kannst dich jetzt entscheiden. Entweder du gehst, lebst dein eintöniges Leben, mit dem du sowieso nicht zufrieden bist, weiter und vergisst alles, was du hier gesehen hast.“

Sie schwieg, hatte die Augen geschlossen und machte eine Pause, die sich ewig für mich hinzuziehen schien. Angespannt und ungeduldig wartete ich darauf, was sie mir wohl als Alternative anbieten würde. Denn mit meinem Leben war ich wirklich nicht zufrieden, der Job erfüllte mich nicht, er machte mir nicht einmal richtig Freude. Früher war ich gerne in die Arbeit gegangen, jetzt aber fühlte sich das nur mehr sinnlos an. Ich ging in die Arbeit, weil ich keine andere Wahl hatte und nicht weil es mir Freude bereitete, was ich da täglich tat. Eine Beziehung hatte ich auch schon längere Zeit nicht mehr gehabt, denn um Frauen anzusprechen war ich zu schüchtern. Und so war auch keine neue Liebe in Sicht und das Glück zu zweit lies immer noch auf sich warten. Meine Wohnung gefiel mir nicht mehr, sie war zu eng, zu finster, zu städtisch. Im Grunde stimmte überhaupt nichts mehr wirklich in meinem Leben.

Ich lebte ein Leben, das besser schon zu meiner Vergangenheit gehören würde, an das ich mich aber immer noch verzweifelt klammerte. Ich wusste nicht einmal, wie und was ich hätte verändern können. Ich war festgefahren, gestand ich mir - hier in diesem schäbigen Zelt der Wahrsagerin - das erste Mal in meinem Leben selbst ein. Meine Stimmung, die sich am Jahrmarkt etwas aufgeheitert hatte, sank wieder auf ihr normales Niveau ab. Auch damit hatte ich mich bereits abgefunden, Glück und Zufriedenheit war wohl eher etwas für die anderen. Heute war alles ganz anders. Jetzt wollte ich etwas ändern, jetzt war ich bereit dazu, aber was und vor allem wie wusste ich nicht und hoffte darauf, dass die Wahrsagerin mir den entscheidenden Hinweis geben würde. Also blieb ich sitzen und wartete angespannt und von Sekunde zu Sekunde immer ungeduldiger auf das erlösende „oder“ aus ihrem Munde.

Endlich, nach einer Ewigkeit, wie es mir schien, fuhr sie fort zu reden: „Oder“, dabei zwinkerte sie mir zu, „oder du entscheidest dich, aufzuhören über dein Leben zu klagen und beschließt, endlich etwas zu tun. Du hörst endlich auf, gegen das Leben zu kämpfen und stellst dich dem, das dich daran hindert, Freude und Glück zu verspüren. Du stellst dich deinen Ängsten und deiner Verantwortung dir selbst gegenüber.“ Ich dachte nach, im Grunde war das alles nichts Neues für mich. Frustriert unterbrach ich sie daher: „Aber wie soll ich das machen, wenn ich das gewusst hätte, glaubst du nicht, ich hätte das schon längst gemacht?“ „Vielleicht“, meinte sie lächelnd. „Vielleicht aber auch nicht, wir werden es sehen“. Etwas melodramatisch fuhr sie dann fort. „Du hast jetzt die Möglichkeit, dich zu entscheiden, wählst du dein bisheriges Leben oder den Torweg zum Glück und folgst diesem, bis du an deinem Ziel angelangt bist?“

Wie es weitergeht, welche Erfahrungen unser Held macht, könnt ihr im Buch „Torwege zum Glück“ lesen.
Broschiert: 248 Seiten, € 15,32 (A), € 14,9 (D)
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (25. Juni 2012)
Sprache: Deutsch, ISBN-13: 978-3848201891
Erhältlich in der Buchhandlung Avalon (http://www.avalon.co.at) in Graz oder im Onlinebuchhandel

 

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