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Ich bin, was ich von mir denke...

Wie und was wir von uns selbst und der Welt denken entscheidet nicht nur wie wir sind, was wir tun und was wir erleben sondern beeinflußt in hohem Ausmaß auch die Qualität unseres Lebens:

Halten Sie sich bitte vor Augen, dass wir im Laufe eines Tages im Durchschnitt etwa 15.000 Gedanken denken! So bestätigen zumindest Erkenntnisse aus dem Mentaltraining. Und nun mal ganz ehrlich: Wie oft machen Sie sich Gedanken über Ihre Gedanken? Solange die Gedanken positiv und produktiv sind, ist das ja nicht weiter schlimm. Aber wer kann schon von sich behaupten, ausschließlich positive Gedanken zu haben? Die eigenen Gedanken nicht hin und wieder zu überprüfen kann also zu einer ziemlich fahrlässigen Angelegenheit werden, wenn man bedenkt, dass aus Gedanken Gefühle entstehen, die uns zu Reaktionen und Handlungen verleiten... Unser Unbewusstes funktioniert dabei wie ein Computer: das, was wir eingeben, erzeugt Resultate. Wenn wir positive Gedanken eingeben, erhalten wir positive Resultate. Wenn wir hingegen negative oder hinderliche Gedanken eingeben, kommen negative Erlebnisse dabei heraus.

Gedanken, die wir wiederholt denken und dadurch verfestigen, werden zu Denkmustern. Diese Denkmuster werden auch Glaubenssätze genannt. Manchmal entstehen diese Glaubenssätze aus uns selbst heraus, manchmal  sind es auch Sätze, die wir irgendwann einmal gehört und quasi „adoptiert“ haben. Sie wirken in uns wie eine Art Programmierung und können ganz schön viel Macht über uns ausüben...

Im Positiven sind sie sehr förderlich, die Glaubenssätze. Wenn Sie beispielsweise über das Leben denken, dass es ein großes Abenteuer ist, dann werden Sie es aller Wahrscheinlichkeit nach auch so erleben. Im Negativen sind Glaubenssätze sehr hinderlich. So wirkt sich beispielsweise der Glaubenssatz, perfekt sein zu müssen, sehr einschränkend und stresserzeugend auf das Leben aus.

Ich gebe Ihnen hier noch ein paar Beispiele für Glaubenssätze: „Ich kann das nicht“, „Ich habe immer Pech“, „Ich muß mich immer anstrengen“ zählen zur negativen Kategorie der Glaubenssätze. „Ich kann das, so wie ich bin“, „Alles ist möglich“, „Ich bin erfolgreich“ zählen zur produktiven Kategorie. Vielleicht kommen Sie ja auch Ihren eigenen auf die Spur...

Erlebnisse und Verläufe im Leben können das Ergebnis einer ungeschickten "Programmierung" sein. So erzählte mir etwa vor Jahren eine Klientin, dass sie als Kind immer den Satz zu hören bekam, man könne nicht alles im Leben haben. Als Erwachsene erlebte sie über Jahre hinweg entweder eine glückliche Partnerschaft oder einen stimmigen Job, nie jedoch beides gleichzeitig...

Eine interessante Ausprägung und Wirkung von Glaubenssätzen zeigt auch das Modell der „inneren Antreiber“, das aus der Transaktionsanalyse (TA) stammt (Taibi Kahler, 1977). Antreiber sind innere Dynamiken, die zu zwanghaften Verhaltensweisen führen und deren Ursache Glaubenssätze sind. Demnach haben Erwartungen und Vorgaben von Eltern und frühen Bezugspersonen in uns Grundannahmen erzeugt, wie das Leben zu meistern ist.

Die fünf wichtigsten Antreiber sind:

  • Sei perfekt
  • Sei stark
  • Mach es allen recht
  • Streng dich an
  • Sei schnell / Beeil dich

Vor allem in Stress- und Belastungssituationen neigen wir dazu, uns nicht vollwertig zu fühlen. Um diesem Gefühl zu entkommen, treten die „Antreiber“ auf den Plan und vermitteln uns die Illusion, dass wir OK wären, wenn wir beispielsweise besser, schneller, gefälliger, unabhängiger wären oder wenn wir uns noch mehr anstrengen würden. Ein fataler Irrtum, denn sie entpuppen sich vielmehr als Fässer ohne Boden...

Die positive Nachricht: Sie können jederzeit Einfluss auf ihre Glaubenssätze und Antreiber nehmen! Sie sind nämlich keinesfalls bis in alle Ewigkeit und untrennbar mit uns verbundene Persönlichkeitsmerkmale, sondern können jederzeit verändert werden. Es braucht lediglich Zeit und Energie und den Wunsch, sie zu verändern.

Hierzu ein paar Tipps:

  • Werden Sie zum Sherlock Holmes in Ihrem eigenen Leben: Beobachten Sie einen Tag lang neurierig Ihre eigenen Verhaltensautomatismen und erforschen Sie, welche Gedanken und Glaubensmuster dahinter stecken könnten. Wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen wollen, hinterfragen Sie bei allem, was in Ihrem Leben geschieht, so lange das „Warum“, bis Sie zu einem Glaubenssatz kommen!
  • Werden Sie zum Wahrsager/zur Wahrsagerin: Überlegen Sie sich, was in Zukunft passieren könnte, wenn Sie negative Glaubenssätze und Antreiber beibehalten? Und überlegen Sie sich dann bei der Gelegenheit auch, ob Sie das auch wirklich riskieren möchten?
  • Experimentieren Sie mit Ihrer Gedankenfreiheit: Verändern Sie die Bedeutung, die Sie einer Situation geben: Sie können Fehler beispielsweise als Lernchancen betrachten.
  • Experimentieren Sie mit neuen Gedanken(mustern): Denken Sie eine Woche lang etwas von sich, was Sie noch nie gedacht haben und achten Sie auf die Auswirkungen.
  • Nehmen Sie Ihr Lebensglück selbst in die Hand: Legen Sie sich ein „Erfolgs- und/oder Glücks-Tagebuch“ zu und notieren Sie täglich entsprechende kleine und große Ereignisse aus Ihrem Leben. Sie werden anfangen, anders über sich selbst und die Welt zu denken.
  • Nutzen Sie Ihre eigene Programmierfähigkeit: „Installieren“ sie statt Antreibern produktive „Erlauber“, beispielsweise „Ich bin wertvoll, so wie ich bin“. Indem Sie diese Sätze immer wieder innerlich wiederholen, werden die alten, unproduktiven Sätze quasi „deinstalliert“ und die neuen können zu wirken beginnen.
  • Gönnen Sie sich hin und wieder ein neues Verhalten: Probieren Sie spielerisch verschiedene Verhaltensweisen in Ihrem Umfeld aus und erfreuen Sie sich an den Resultaten – oder lachen Sie zumindest darüber!

 

Die besten Voraussetzungen für jegliche Veränderungsarbeit an sich selbst sind Mut, Neugier und Humor. Und die beste Einstellung, mit der Sie an die Sache ran gehen können, ist: Mit Nebenerscheinungen ist zu rechnen! Dann wird die Zeit, die Sie in die Arbeit an und mit Ihren Glaubenssätzen investieren, nicht nur rascher vergehen sondern auch freudvoller werden. Und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen!

Autorin: Mag. Angelika Kail, Lebensberaterin und Seminarleiterin, www.angelika-kail.at

 

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