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Das rote Gold in Spanien

von Franko Petri

Erdbeeren mit Sahne, auf Eis oder mit heißer Schokolade – und das zu jeder Jahreszeit. Hallo zeigt euch, woher sie kommen und warum sie auch im Winter so billig sind.

Sie leuchten uns immer entgegen, wenn wir an der Obstabteilung im Supermarkt vorbeikommen und das Wasser läuft uns im Mund zusammen. Selbst im Winter müssen wir nicht auf die köstlichen Erdbeeren verzichten. Aber dieser Luxus hat einen hohen Preis. Einen Preis, von dem wir nur den kleinsten Teil zahlen müssen, denn der Grossteil davon geht auf Kosten der Umwelt und der Ausbeutung von Arbeitern.
An die 50.000 Arbeiter sind es jedes Jahr, die im Jänner und Februar nach Südspanien kommen. Klar, dort ist es warm, das Essen ist super und die Landschaft ist ein Traum. Aber leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Der Großteil der Arbeiter, die unsere Wintererdbeeren ernten, haben keine Arbeitsgenehmigung und müssen froh sein, mit 20 Euro für einen ganzen Tag Arbeit abgespeist zu werden. Sie kommen aus Marokko, aus arabischen Ländern und aus Osteuropa. In Zehn-Stunden-Schichten rackern sie auf den Feldern und arbeiten im Akkord weit entfernt von ihren Familien um ein bisschen Geld nach Hause schicken zu können. 15 Tonnen Erdbeeren pro Tag erwirtschaften die etwa 2000 Erdbeerfarmer in der andalusischen Provinz Huelva, mitten im Nationalpark Doñana, einem der schönsten Naturparadiese Europas. Sechs Millionen Zugvögel aus ganz Europa machen dort einen Zwischenstopp auf ihrem Weg ins ferne Afrika. 60.000 von ihnen bleiben sogar über den Winter dort, denn die Feuchtgebiete, Pinienwälder und die höchsten Sanddünen Europas bieten ihnen dafür den optimalen Platz, um der Winterkälte zu entfliehen.
Doch die Arbeiter haben keine Zeit für die Naturwunder an der Lichtküste am Mündungsgebiet des Guadalquivir-Flusses. 750 von ihnen braucht es, um einen Hektar Erdbeeren abzuernten. Bis zu den Knien stehen sie jeden Tag in der von Chemikalien und Düngemitteln verseuchten Erde. Todmüde fallen sie abends in ihre Schlafstellen aus Plastikplanen, die als ihre Behausung dienen. Kein Strom, kein Wasser und rechtlos – und das mitten in der EU. Denn billig ist Top, sagen die Supermärkte in Mittel- und Nordeuropa. Andalusien wurde nach den USA der zweitgrößte Erdbeerproduzent der Welt. Im Jahr 2000 gab es heftige Rassenunruhen mit nordafrikanischen Arbeitern wegen der unmenschlichen Bedingungen in Andalusien. Deshalb importieren die Erdbeerfarmer seit 2002 immer mehr Billiglohnsklaven aus Osteuropa, denn mit ihnen gibt es weniger Probleme, wie sie meinen. Wer auf Mindestlöhne pocht, ist bald seinen Job los. Erdbeeren sind durstige Pflanzen. Deshalb hat sich der Grundwasserspiegel in den letzten 25 Jahren im Doñana um die Hälfte verringert. Die Farmer besorgen sich das Wasser aus illegalen Brunnen, brennen die Wälder nieder und verseuchen den Boden mit Chemie und Plastik. 2005 wurden sogar 5 Millionen Tonnen Erdbeeren vernichtet, das Wasser verschwendet, nur um Preis hoch zu halten. Mit neuen Bewässerungs- und Umweltprojekten versuchen Umweltschutzorganisationen wie der WWF jetzt dem Wahnsinn jetzt ein Ende zu machen. Bald soll es auch in unseren Supermärkten Erdbeeren geben, die ohne soziale Ausbeutung und ohne Umweltzerstörung produziert werden. Damit uns der Nachtisch auch im Winter wieder schmecken kann.

Erdbeeren schmecken uns allen. Besonders im Winter. Aber kaum jemand weiß, unter welchen Bedingungen sie in Südspanien produziert werden, bis sie rot leuchtend in den Regalen der Supermärkte landen. Im der südspanischen Provinz Huelva schuften an die 50.000 Arbeiter aus Nordafrika und Osteuropa unter unmenschlichen Bedingungen für die Erdbeerernte. Mitten in Europa müssen sie in Slums aus Plastikplanen leben. Manche bekommen nur 20 Euro für einen Zehn-Stunden-Tag. Denn die Supermärkte kaufen die Ernte nur, wenn sie billig ist. Auch die Umwelt muss einen hohen Preis bezahlen. Der Doñana-Nationalpark wird entwässert, die Wälder nieder gebrannt und eine der schönsten Landschaften Europas verschandelt. Sechs Millionen Zugvögel kommen hier auf ihrem Weg nach Afrika jedes Jahr vorbei. Dabei werden Millionen Tonnen Erdbeeren vernichtet, um die Preise für das rote Gold hoch zu halten. Der WWF arbeitet jetzt an neuen Projekten, um in Zukunft sozial gerechte und umweltverträgliche Erdbeeren zu produzieren - für einen Genuss, der uns nicht im Hals stecken bleibt.

Text von Zeitschrift Hallo, www.oegj.at/hallo , Franko Petri

 

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