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Mystik, Spiritualität und Religion

Interview mit Thomas Hübl

„Mystik ist ein extrem radikaler Ruf“

Frage: Heute haben wir uns das Thema Religion ausgesucht. Was ist deine Definition der Begriffe Spiritualität und Religion?

Thomas Hübl: Der Bereich, der mich an Religion interessiert, ist weniger der rituelle oder äußere Bereich als der mystische, innere Kern jeder Religion. Und in der Spiritualität interessiert mich nicht der spirituelle Marktplatz im Sinne von "Supermarkt", wo viele Dinge angeboten und oberflächlich berührt werden. Mich interessiert stattdessen das Leben als mystischer Marktplatz, an dem in die Tiefe gegangen und eine Weitsicht entwickelt wird. Mystik ist immer der Teil in jeder Tradition, wo zeitlose Weisheit praktiziert und die Radikalität des Erwachens gepflegt wird. Dieser Teil von Religion und Spiritualität interessiert mich. Es ist der gleiche in beiden, denn Mystik ist der Kern in all den Dingen.

Viele Menschen, die sich zu einer Religion bekennen, praktizieren diese auf eine Weise, die eher an der Oberfläche bleibt. So gibt es zum Beispiel viele, die sich Christen nennen. Ich würde jedoch wenige davon als Mystiker bezeichnen. Obwohl oft eine gute Intention und ein gutes Herz dabei sind - die Radikalität dessen, was Mystik ist, finden wir selten. Oft wird die Religion eher zu einer Institution, der es an Flexibilität mangelt. Und Spiritualität ist momentan eine Art Modewort. Unter diesem Begriff nehmen viele Leute beispielsweise an Selbsterfahrungsgruppen teil, machen Meditation oder Yoga. Dabei steht oft "Feel-Good" oder „Ein-besseres-Leben-haben“ im Vordergrund. Das hat aber mit Mystik nichts zu tun. Mystik ist ein extrem radikaler Ruf. Die wahren Mystiker, die die Geschichte hervorgebracht hat, haben dies auch gezeigt. Es waren sehr radikale Leute, die wirklich ihr Leben dafür hingegeben haben, Gott zu suchen und aufzuwachen. Wenn wir in den Sufismus schauen, ins Judentum, in den Buddhismus, den Taoismus oder andere Traditionen, werden wir sehen, dass hier universelle Prinzipien am Werk sind, die dem normalen Auge verborgen bleiben. Die Mystiker sind diejenigen, die durch ihr Leben und ihre Erfahrung diese unsichtbaren, universellen Prinzipien sichtbar machen. Und sie sind diejenigen, die dies auch mitteilen. Wir kennen die Erfahrungsberichte großer Mystiker: Dort leuchtet das Licht der Welt.

 

F: Wenn die Mystik der wahre Kern ist, ergibt es für dich noch Sinn, dass es unterschiedliche Religionen gibt? Oder sind die Religionen ab einer gewissen Entwicklungsstufe überflüssig?

TH: Die unterschiedlichen, mystischen Traditionen sind nach außen natürlich kulturelle Ausformungen. So wie die Gewänder der Leute und der Ausdruck ihrer Gesichter kulturell geprägt sind, so hat auch die Mystik ein Gesicht, durch das sie sich in den unterschiedlichen Kulturkreisen jeweils anders ausdrückt. Wenn wir tiefer schauen, sehen wir auch, dass es unterschiedliche Polarisierungen in den einzelnen Traditionen gibt. Im universellen Kontext macht das Sinn. Es gibt einen Grund, warum beispielsweise der Buddhismus oder das Judentum ein jeweils eigenes Feld auf einem wahrhaftigen spirituellen Level erschaffen. Gleichzeitig glaube ich, dass sich irgendwann, auf einer sehr hohen Entwicklungsstufe, all diese Traditionen in eine universelle, zeitlose Weisheit einbinden. Dann ist es im Prinzip egal, aus welcher der  Traditionen wir kommen, weil wir ganz tief in den Lebenskern vorgedrungen sind.

„Alles, was wir benennen können, alles, was wir sehen können,
alles, was wir erleben, ist im Prinzip immer Bewegung“

F: In deinem Buch gehst du davon aus, dass die Evolution der Menschen als innere Bewusstseinentwicklung stattgefunden hat. Damit hat sich auch das Verhältnis von Mensch zu Gott immer wieder verändert.

TH: Zunächst ist es wichtig zu sehen, dass sich das Leben immer weiter entwickelt. Alles, was wir benennen können, alles, was wir sehen können, alles, was wir erleben, ist im Prinzip immer Bewegung. Heutzutage muss die Mystik wissenschaftliche Fragen genauso mit einbeziehen, wie die ganz alten Fragen, die es schon seit jeher gab. Wir brauchen eine Offenheit für den Kontext, in dem wir leben und müssen zeitgemäße Antworten finden.

Das betrifft auch die Gottessicht, die du ansprichst. Die Beziehung von Mensch zu Gott ist noch eine Beziehung aus der Getrenntheit heraus; eine Beziehung zu etwas, das wir gerne erreichen würden. Diese Beziehung wird sich mit der psychologischen und technologischen Entwicklung, mit einer sich verändernden Umwelt, mit der Evolution als Gesamtes immer weiter entwickeln. Beziehung heißt: "etwas" bezieht sich auf "etwas" - das findet in Getrenntheit statt und entwickelt sich.

Das heißt auch, unser Bild von Gott ist eine Interpretation unseres Verständnisses von Gott. Seitdem wir Quantentheorien haben, denken wir auch über Gott im Sinne von Quantentheorien. Wir beziehen uns jetzt nicht mehr auf Naturgeister, wir sehen auch nicht mehr den Mann mit dem weißen Bart. Wir sind aber immer noch in den Bildern von Gott. Das ist nicht die direkte mystische Erfahrung. Was sich also evolviert, sind unsere Interpretationen oder Perspektiven. Gott selbst evolviert nicht. Gott ist das Eine und in der ganzen Evolution vorhanden. Für die sich wechselnden Perspektiven sieht es zwar so aus, als ob sich Gott verändert. Doch im Prinzip verändern sich nur unsere Sichtweisen, unsere inneren Bilder und das Verständnis davon. Wir realisieren immer komplexere Strukturen in diesem evolutionären Prozess.

 „Nicht Gott ist tot, die mythologische Interpretation Gottes ist tot.“

F: Gerade in unserer Gesellschaft gibt es viele Menschen, die der Meinung sind, keinen Gott mehr zu brauchen. Warum ist es für dich zeitgemäß, eine Mystik ins Leben zu bringen?

TH: Gute Frage, denn im wissenschaftlichen Zeitalter haben wir ein sehr mental kristallisiertes "Ich". Die Individualisation ist auf einer Ebene sehr stark geworden. Das "Ich" sagt sich: "Ich nehme die Zügel in die Hand, ich bin nicht mehr abhängig von dem Gott da draußen". Das ist einerseits eine gesunde Entwicklung, so wie sich ein Teenager von den Eltern löst und beginnt selbstverantwortlich zu leben. Es ist ein wichtiger Schritt in eine wahrhaftige Transzendenz. Andererseits kann es dazu führen, dass sich das Ego an das Steuerrad des Lebens setzt und sagt: "Ich setze mich auf den Thron Gottes und übernehme das Ganze". Darin liegt eine Gefahr. Denn wenn die mystische Seite wegfällt, hält eine Bedeutungslosigkeit in unser Leben Einzug. Die Verbundenheit in das große Ganze wird immer weniger respektiert und eine Art Arroganz dem Leben gegenüber entsteht. Diese Arroganz besteht darin, dass es nichts Höheres mehr gibt als das "Ich". Das "Ich" weiß, was richtig und falsch ist. Dies ist eine gefährliche Mischung und kann dazu führen, dass wir eine sehr egoistische Lebensweise entwickeln. Wenn viele Menschen egoistisch handeln, denken und fühlen, dann entstehen Dinge, die zerstörerisch wirken und nicht weitsichtig sind. Die Mystik erinnert uns daran: Egal, was wir wissen, es gibt immer etwas, das größer ist als das "Ich", das weiß.

Nicht Gott ist tot, die mythologische Interpretation Gottes ist tot. Ein Weltbild hat sich abgelöst und ein anderes ist entstanden. Gott ist nie tot, denn Gott ist das, was durch uns alle wirkt. Und das ist größer als die individuelle Lebensperspektive. Es ist wichtig, das zu erkennen. Die Mystik spielt eine große Rolle dabei, eben dies immer wieder aufzubrechen, damit die Demut dem Leben gegenüber nicht verloren geht.

„In der tiefsten Lebendigkeit des Marktplatzes
ist die tiefste mystische Stille vorhanden.“

F: Die integralen Philosophen Ken Wilber oder Terry Patten sprechen von den drei Gesichtern Gottes. Wie ist das zu verstehen?

TH: Das erste Gesicht Gottes bezieht sich auf das, was in den buddhistischen oder kontemplativen Traditionen als das rein bezeugende Bewusstsein verstanden wird. Es ist das, was immer noch da ist, wenn in der tiefen Meditation die Wahrnehmung meines Körpers, meiner Gedanken, meiner Gefühle und der Umgebung immer mehr absinkt. Selbst wenn all diese Strukturen wegfallen, die ich normalerweise als mein "Selbst" bezeichne, ist immer noch etwas da. Das kann man nicht wirklich bezeichnen, es ist mehr ein Da-Sein. Diese Tiefe kann als das erste Gesicht Gottes verstanden werden, als die erste Personen-Perspektive.

Die zweite Personen-Perspektive ist Gott als „Du“ oder Gegenüber, dem ich mich hingebe oder dem ich in dir begegne. Sie ist dort, wo eine Beziehung im Gebet stattfindet. Mit Gebet meine ich nicht ein egoistisches Bitten, sondern die Einladung an die Existenz, mir höhere Bewusstseinsebenen meiner Selbst oder des Lebens sichtbar werden zu lassen. Ich bete mehr um das Erwachen an sich, nicht darum, dass ich etwas bekomme. Und dann werde ich sehen, dass diese höheren Bewusstseinsebenen nicht etwas Separates von mir sind, sondern ich mich in sie hinein entwickele und zugleich immer bereits darin stattfinde. Es ist beides: Es ist durch mich und ich realisiere immer mehr davon. Gott ist nichts Getrenntes, sondern etwas, zu dem ich mehr und mehr aufwache.

Um diese größere Realität des Lebens sichtbar werden zu lassen, muss das „Ich“ immer durchscheinender werden. Die Mystik fordert also eine Transzendenz, durch die plötzlich etwas sichtbar wird, was mir vorher verborgen war. Einerseits ist diese Tiefenrealisation jederzeit zugänglich und gleichzeitig findet darin eine vertikale Bewusstseinsentwicklung statt. Diese ist genauso wichtig wie das erste Gesicht Gottes, welches nur reines Gewahrsein ist. Im Gewahrsein entwickelt sich das Leben konstant weiter, weil das Leben immer Bewegung ist. Wir können nicht sagen, Gott ist nur Stille. Wir können auch nicht sagen, Gott ist nur Entwicklung. Wir können sagen, Gott ist die Entwicklung in der Stille und die Stille in der Entwicklung. Dies ist kein Entweder-Oder, sondern zwei Seiten einer Medaille. Die Mystik ist sich gewahr, dass das Ganze nicht zwei sind. Wenn ich als "Ich" schaue, dann sind das für mich zwei. Wenn das "Ich" jedoch transzendiert ist, dann sind das nicht zwei. Es ist eine ganz tiefe mystische Realisation, dieses "Nicht-zwei" zu erkennen: dass es nicht mich und das Leben gibt, nicht innen und außen. Dass es nicht Stille oder Bewegung gibt, Leben oder Meditation, Marktplatz oder Stille. In der tiefsten Lebendigkeit des Marktplatzes ist die tiefste mystische Stille vorhanden.

„Mich interessiert das authentische Licht und nicht, welchen Namen es hat“

F: Ich würde gerne noch auf das Christentum als die hier vorherrschende Religion zu sprechen kommen. Meiner Erfahrung nach ist dort die Mystik als wahrer Kern verloren gegangen. Würdest du das genauso sehen? Und wo siehst du die Berührungspunkte von Mystik und Christentum?

TH: Der mystische Kern ist immer geprägt von hoch entwickelten Menschen, die durch alle Zeiten hinweg aufgetaucht sind: z.B. Jesus, Franz von Assisi, Theresa von Avila, Meister Eckhart u.v.m. Mit diesen Menschen, die einen tiefen Einblick in das mystische Feuer hatten, geht die Energie sehr nach oben. Das Feuer brennt eine Zeit lang und inspiriert die Menschen rundherum. Aber wenn es niemanden gibt, der das übernimmt, dann gehen die Intensität und die Schwingung wieder herunter. Dinge, die erkannt wurden, werden zu Konzepten und als solche vermittelt. An denen wird dann festgehalten, weil man glaubt, es sei eine Lehre. Sobald sich darum eine Institution bildet, laufen wir Gefahr, dass Menschen zwar aus einer guten Intention heraus praktizieren, jedoch die ursprüngliche mystische Erfahrung verblast - bis wieder jemand auftaucht, der einen massiven Durchbruch hat. In einer Institution, die sich seit 2000 Jahren aufgebaut hat, sehe ich die Gefahr, dass das Geronnene stärker ist als die mystische Erfahrung. Wir müssen Glück haben, dort an jemanden zu geraten, der ganz tief in die mystische Dimension durchgebrochen ist.

Es ist also gut, zu schauen, woran es liegt, dass diese Institutionen gerinnen, dass Konzepte für wahr gehalten und als immer leerer werdende Rituale praktiziert werden. Es ist gut, zu unterscheiden, was denn was ist. Wo ist wahrhaftige Mystik? Mystik ist manchmal die Kraft, welche die eigene Institution herausfordert. Wie kommen wir zu einer Praxis, die eine wahrhaftige Mystik wieder reaktiviert? Das Erwachen des Lebens wird von denen getragen, die es realisiert haben und nicht von denen, die es zwar lernen wollen, aber dort noch nicht sind. Nur wenn es ein sehr waches Bewusstsein gibt, kann sich eine Institution formen, die im Fluss des Lebens bleibt. Ansonsten wird das Ego sie einvernehmen und versuchen, sie für seine Zwecke zu verwenden.

Ich war zum Beispiel in Taizé in Frankreich. Diesen Platz empfinde ich als sehr lichtvoll. Da geschieht etwas Authentisches aus einer tieferen Intention heraus. Diese Energie spüre ich nicht in jeder Kirche. Was zählt, ist das authentische Licht. Mich interessiert nicht, welchen Namen es hat, sondern nur, wo diese mystische Dimension zuhause ist.

„Das sogenannte Fegefeuer ist die Spannung und der Schmerz, der in uns entsteht, wenn wir unser Potenzial nicht wirklich leben.“

F: Ein paar Begriffe waren für mich sehr prägend im kirchlichen Zusammenhang. Was würdest du zum Beispiel zu dem Begriff "Sünde" sagen?

TH: Wie ist denn deine Interpretation davon?

F: Ich zitiere einen Satz von Amma: "Das eigene Potential nicht in die Welt zu bringen, ist Sünde".

TH: Ja, das finde ich schön. Der Begriff „Sünde“ wird oft in dem Sinne interpretiert, dass du schlecht oder böse bist oder dass du dich kehren und reinigen musst. An allem ist etwas dran. Obwohl ich glaube, dass es im originären Kontext nicht so gesagt worden ist. Wie der Begriff oft verstanden wird, kann er gut verwendet werden, um Menschen zu manipulieren.

Wenn wir wacher werden, spüren wir immer deutlicher, wenn wir dem authentischen Fluss unseres Lebens nicht folgen. Wenn wir Konditionierungen folgen, Persönlichkeitsanteilen oder Sehnsüchten, und nicht dem Potenzial, das durch uns fließen möchte. Wir spüren dann die Auswirkungen davon als Imbalance in unserem Leben. Die kindliche Interpretation sieht darin eine Bestrafung. Aber die Bestrafung ist nichts anders als die Effekte dieser Imbalance in unserem Körper-Geist-System. Das wird in manchen Traditionen auch karmischer Effekt genannt. Das bedeutet: es zieht eine Manifestation nach sich. Wenn ich viele Jahre auf eine Weise lebe, die mir nicht entspricht, dann wird dies irgendwann in meinem Körper Auswirkungen haben, auch in meinen Emotionen und Gedanken und zum Beispiel in der Art und Weise, wie sich mein Arbeitsleben um mich herum kreiert. Auf diese Weise sehe ich, dass etwas nicht stimmt.

Das Fegefeuer ist nichts anders, als diese Spannung zu erleben, die das Nicht-Authentische vom Authentischen unterscheidet. Es ist der Schmerz, der in uns entsteht, wenn wir unser Potenzial nicht wirklich leben. Sind wir dagegen näher am ursprünglichen Fluss unserer Wirklichkeit, dann fühlen wir uns auch mehr im Fluss, dann sind unsere Beziehungen mehr im Fluss, dann ist alles mehr im Fluss. Es gibt niemand, der uns bestraft. Dadurch entsteht eine ganz neue Selbstverantwortlichkeit. Unsere Lebendigkeit nicht leben zu lassen, unser Licht nicht scheinen zu lassen, das geht nur, wenn wir uns kontrahieren und aus unserer Spur gehen. Der augenblickliche Effekt dessen bedeutet Schmerz. Mit diesem Effekt müssen wir dann auch sein, denn den haben wir selbst mit erschaffen. Beginnen wir das zu sehen, dann ist „Sünde“ im Prinzip nur ein Aufruf für ein wacheres, verantwortlicheres und wahrhaftigeres Leben. Eine Art Autoregulativ in unserem Lebensprozess.

„Himmel und Hölle finden in uns statt“

F: "Himmel und Hölle" sind zwei weitere Begriffe, die ich stark mit dem Christentum und der katholischen Kirche verbinde.  Magst du dazu auch etwas sagen?

TH: In all diesen Dingen gibt es einen wahrhaftigen Kern. Wenn zwei Menschen in einem Café sitzen, dann kann der eine im totalen Glück, quasi im Himmel sitzen. Der andere, im gleichen Café, kann in der totalen Hölle sitzen. Das heißt: Himmel und Hölle finden in uns statt. Es sind Effekte von unserem Leben. Wenn wir also sehr im "Nein", im "Dagegen", in der Aggression, im Zorn oder in der Rache leben, dann entsteht viel Leiden. Leiden ist immer die Resistenz zu dem, was gerade stattfindet. Wenn das "Dagegen" wegfällt, ist nur Fluss da. Leben ist immer Bewegung und alles, was wir dieser Bewegung entgegensetzen, erzeugt Gegendruck. Die Hölle ist also im Prinzip eine sehr starke Resistenz, die dem Entwicklungsprozess, dem evolutionären Impuls, sich auszudehnen, entgegengesetzt ist.

Es gibt immer wieder Kräfte, die versuchen, diesen evolutionären Impuls herunterzuziehen. Wie die Sucht nach den Gewohnheiten des Lebens. Das ist sowohl ein kollektives als auch ein individuelles Phänomen. Wenn wir etwas lernen, dann vernetzt sich das in unserem Gehirn zur Gewohnheit. Gewohnheiten sind natürlich auch gesund. Wir brauchen sie, um überhaupt lernen zu können. Aber Gewohnheiten halten uns auch in vielen Weltsichten fest. Wenn dann die Entwicklung weiter gehen möchte, sagen wir: "Nein, das ist aber so". Oder unsere Institutionen sagen: "Nein, das ist aber so". Es gab immer Menschen, die wahrhaftig mehr gesehen haben und dann von dem gesamten System wieder heruntergeholt worden sind. Es gibt die Tendenz, das Leben dort zu halten, wo es ist. Die spirituelle Kraft in uns möchte sich jedoch immer weiterbewegen.

Natürlich kreiert auch unsere Schattenwelt die so genannte Hölle mit. Alles, was in uns nicht leben kann, hat einen Effekt auf uns. Und genauso wie sich Potenziale synchronisieren, so synchronisieren sich auch Schattenanteile in der Gesellschaft. Die erfahren manche Menschen dann wie eine Kraft von außen, die " irgendwie" gegen uns wirkt. Doch im Prinzip bauen wir alle daran mit. Das heißt, unsere Verantwortung in der spirituellen Arbeit besteht auch darin, unsere Schattenanteile zu integrieren, um nicht an diesem kollektiven Schattenphänomen "Hölle" mitzuwirken. Es geht darum, unser eigenes System zu klären, so dass es lichtvoller wird und immer weniger Resonanz zu den kollektiven Schattenphänomenen hat. Wenn wir den Himmel auf Erden schaffen wollen, dann ist es wichtig, alle Bereiche in unserem Leben herauszufiltern, wo wir ein "Dagegen" aufbauen: gegen andere Meinungen, gegen andere Menschen, gegen Situationen oder Dinge, die wir nicht kennen, gegen Erfahrungen, die wir gerade machen. Jedes „Nein“ schwächt den evolutionären Prozess.

Es liegt wirklich an uns, wo wir leben wollen: im Himmel oder in der Hölle.  Das ist eine radikale Aussage. Denn manche Menschen sagen: "Das passiert mir. Das ist einfach so". Nein, das ist nicht so. Wir entscheiden uns, dagegen zu sein. Egal, ob wir wissen, wie wir das machen, oder nicht. Diese Verantwortung liegt immer bei uns. Das ist ein Faktum. Und fordert uns zu einer radikalen Verantwortung heraus. Selbst wenn wir in der Hölle sind, gibt es einen Weg, um wieder heraus zu kommen. Die Hölle bedeutet nichts anderes, als dass wir sehr, sehr intensiv verstrickt sind. Je dichter unsere Frequenz ist, je mehr wir uns an diesen vielen "dagegen" festhalten, desto depressiver werden wir, wütender und ärgerlicher. Und wenn wir in diesem Zustand leben, sehen wir auch mehr in der Welt davon. Plötzlich sehen wir mehr ärgerliche und depressive Menschen. Das Leben macht immer weniger Sinn. Unsere Lebensenergie geht herunter. Dies liegt natürlich an uns. Denn es gibt eine innere, natürliche Hygiene, die wir betreiben können. Daran können wir sehen, welchen Wert eine spirituelle Praxis hat. Denn sie ist das Einzige, was uns in einen gesunden, inneren Fluss bringt. Egal, wo wir stehen auf der Leiter zwischen Himmel und Hölle, - wir haben immer die Kraft und immer die Selbstverantwortung in der Hand, uns weiterzuentwickeln.

„Das Einzige, was zählt, ist die direkte Erfahrung dessen, was ist.“

F: Der indische Weisheitslehrer Krishnamurti hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es nicht um einen Glauben an Gott geht, sondern um ein Wissen des Göttlichen. Könntest du das näher erläutern?
 
TH: Dem stimme ich zu. Es geht beim Thema Religion absolut nicht um Glauben. Das Einzige, was zählt, ist die direkte Erfahrung dessen, was ist. Die Mystik ist im Prinzip leer. Doch Gott als diese Leere, das kann sich unser Verstand nicht wirklich vorstellen. Dazu braucht es eine Praxis. Wenn uns die Praxis das zeigt, dann müssen wir nichts mehr glauben, dann ist dies ein inneres Wissen, eine tiefere Realisation des Lebens geworden. Menschen, die diese Präsenz Gottes kosten oder gekostet haben, die wissen, was das bedeutet. Die glauben nicht an Gott, sondern sie sind das auf einer Ebene. Nicht als Persönlichkeiten, sondern sie sind Teil dieser Realisation, die wir Gott nennen. Es geht also nicht darum, etwas zu glauben. Es geht mehr darum, die innere Sehnsucht zu spüren und sich einer Praxis hinzugeben.

Es gibt vier Pfeiler einer spirituellen Praxis: Ein spiritueller Freund (jemand, mit dem ich mich auf gleicher Ebene austausche); ein Lehrer (jemand, der mich begleitet, auf eine höhere Ebene zu gehen); eine Sangha (eine Community von Menschen, die gemeinsam ein starkes Energiefeld aufbauen); und meine Praxis. All das zusammen wird mir eine tiefere Einsicht geben. Und wenn dieses mystisches Feuer einmal brennt, dann brennt es irgendwann so stark, dass Gott die erste Priorität in meinem Leben wird. Das ist sehr weit weg vom "Glauben" an Gott, es ist ein „Davon-kosten“ und „Mehr-davon-kosten-wollen“, was uns quasi in die Tiefe führt.

 

Ausschnitte aus dem Interview der CD „Religion & Spiritualität“ ( 65 Min.).
Sie ist über www.media.innerscience.info/shop erhältlich.

 

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