Bewegung als therapeutischer Ansatz zu körperlich - geistig
- seelischer
Integration und Gesundheit
Bewegung ist nicht nur vitaler Ausdruck unserer Lebendigkeit,
sondern hält uns auch am Leben.
Erlauben sie sich / erlaube dir einige Atemzüge lang dem
Pochen deines Herzschlages zu lauschen, das Pulsieren deines Blutes
zu spüren und auf den Rhythmus deines Atems zu achten. Alles
ist in Bewegung und du fühlst: Ich lebe. Lass dich in deinen
Körper hineinhorchen, hineinschauen und diese Tatsache ganz
bewusst wahrnehmen.
Vielleicht tauchen dabei auch Erinnerungen an Situationen und
Erlebnisse auf, in denen du dich beweglicher und lebendiger gefühlt
hast. Möglicherweise schwingt dabei sogar ein Stück
Wehmut mit.
Unser Leben unterliegt einer ständigen Veränderung,
ist in Bewegung.
So wissen wir aus eigener Erfahrung und der Beobachtung von Kindern,
wie viel Freude - pure Lebensfreude - in Bewegung, Flexibilität
und Spontaneität liegt und zum Ausdruck kommt. Kinder gehen
unbefangen und spielerisch in Bewegung, um die Welt zu erkunden,
das Leben zu begreifen, immer wieder Neues zu entdecken, zu lernen
und sich zu entfalten.
Zugleich gibt es aber auch immer wieder Erfahrungen, die Kindern
vermitteln, dass sie willkommener, liebenswerter, akzeptabler
sind, wenn sie eigene Lebensimpulse ignorieren und unterdrücken.
Stattdessen eignen sie sich Verhaltensweisen an, die ihnen erlauben,
sich in ihr soziales Umfeld so zu integrieren, dass damit so gut
als möglich sichergestellt ist, versorgt und geliebt zu werden.
Wir alle tragen solche Prägungen, Verhaltensmuster und Blockaden
aus unserer Vergangenheit in uns und es liegt an uns, zu erkennen,
dass die Vergangenheit Geschichte ist und wir jetzt die Chance
haben, etwas zu verändern.
Wilhelm Reich, ein Schüler von Freud erkannte einen
klaren Zusammenhang zwischen Psyche und körperlichem Erscheinungsbild
eines Menschen. Mit seiner Körperarbeit, basierend auf Bewegung
und Atem, begründete er die körperzentrierte Psychotherapie
und schuf damit einen konstruktiven Ansatz einer körperlich
- geistig - seelischen Integration und Heilung.
So geht W. Reich davon aus, dass es bei Angst vor Strafe oder
Zurückweisung zu Muskelkontraktionen im Körper kommen
kann und dass diese in sieben Segmenten des Körpers auftreten
und sichtbar werden.
In seiner Körperarbeit spricht er von Ringblockaden,
die sich nach seiner Meinung in folgenden bereichen des Körpers
zeigen:
1. Im Augenblock manifestieren sich unterdrückte Emotionen
wie Ärger, Furcht und Traurigkeit was u.a. zu Sehdefekten
und Spannungskopfschmerzen führen kann.
2. Im Mundblock zeigt sich übertriebene Kontrolle
über das Weinen wie auch unterdrückter Ärger. "Zähne
zusammen beißen" und "runterschlucken" kann
z.B. Ursache von Stottern sein.
3. Im Halsblock, der oft als Trennung zwischen Fühlen
und Denken erlebbar ist, zeigen sich bei manchen Menschen Verspannungen
der Nackenmuskulatur. Aber auch die Kehle in ihrer aufnehmenden
Funktion, dem Schlucken und ihrer expressiven Funktion, dem Sprechen,
zeigt oft deutlich, dass die Durchlässigkeit in diesem Bereich
zu wünschen übrig lässt.
4. Im Brustblock zeigen sich unterdrückter Ärger,
Furcht, zurückgehaltene Traurigkeit und starke Selbstkontrolle
als Schutz des eigenen Herzens, was auf der physischen Ebene zu
Herz - Kreislaufproblemen führen kann.
5. Im Zwerchfellblock geschieht im Körper gleichsam
eine Trennung von unten und oben z.B. die Trennung von Sexualität
und dem Herzen. Anzeichen für eine solche Blockade können
u.a. Atemnot aber auch Erkrankungen von Galle und Magen sein.
6. Im Bauchblock somatisieren sich physischer und psychischer
Stress, der zu einer starken Bauchspannung führt.
7. Im Beckenblock, der in einer Wechselwirkung zum Nacken
und Schulterblock steht zeigen sich eingeschränkte Vitalität
und Lebensfreude, die W. Reich u.a. auf zu frühe und damit
körperfeindliche Sauberkeitserziehung zurückführt.
Die wichtigsten Funktionen der Beine, auch diesem Segment zugeordnet,
sind Beweglichkeit und drücken ein "JA" zum Dasein
auf dieser Erde aus. Mangelnde Erdung zeigt sich z.B. in chronisch
kalten Füßen.
Diese sieben Körpersegmente und die ihnen zugeordneten
Blockaden gehen im feinstofflichen Bereich konform mit den sieben
Hauptenergiezentren, den Chakren und ihren Themen.
1. Im Wurzellchakra (Bereich des Beckenbodens - zugeordnete
Farbe: feurig rot) basiert unsere Lebensenergie und der Wille
zum Sein. Körperlich: Knochen, Blut - und Zellaufbau, Zähne,
Nägel, Sehnen, Muskeln.
2. Im Sakralchakra (Unterbauch - Farbe: orange) liegt unser
Arterhaltungstrieb, die Identifikation als Mann bzw. Frau und
Zentrum der Kreativität. Körperlich: Sexualorgane, Niere,
Blase.
3. Im Solarplexus (Magenbereich - Farbe: gelb) liegt die
Kraft unseres Willens und unserer Durchsetzung. Körperlich:
Magen, Dünndarm, Leber, Galle, Milz.
4. Im Herzchakra (Brust - Farbe: grün / rosa) dem
Bereich für Sensibilität und Mitgefühl, liegt zugleich
das Zentrum für Transformation und Heilung. Körperlich:
Herz - Kreislaufsystem, Haut, Arme, oberer Rücken, Brustkorb,
und Lunge.
5. Im Halschakra (Hals - Farbe: hellblau) liegt die kreative
Möglichkeit des Selbstausdruckes und der sprachlichen Kommunikation.
Körperlich: Ohren, Stimmbänder, Speiseröhre, Schilddrüse,
Kiefer, Rachen, oberer Schultergürtel, Hals und Nacken.
6. Im Stirnchakra, dem " Dritten Auge"(Stirn
- Farbe: violett) liegt unsere Intuition für uns selbst,
d.h. das Erkennen unserer ureigenen Wahrheit und unsere Konzentrationsfähigkeit.
Körperlich: Nase, obere Gesichtsmuskulatur, Kleinhirn und
Zentralnervensystem.
7. Das Kronen oder Scheitelchakra (Fontanelle - Farbe:
weiß) repräsentiert die Verbundenheit des Menschen
mit dem höherem Selbst und lässt das Gefühl einer
Trennung von innerem Sein und äußerem Leben verschwinden.
Der Mensch erlebt sich als Einheit von Körper, Geist und
Seele und fühlt sich mit dem Göttlichen verbunden. Körperlich
gibt es keine Zuordnung.
So bieten Bewegung und Atem die Chance, Raum im Körper zu
schaffen damit die Seele Platz hat.
Alexander Lowen, ein Schüler von W. Reich und "Vater
der Bioenergetik" geht davon aus, dass Menschen, die
sich ihres Körpers wirklich bewusst werden, mit ihm "arbeiten",
ihn "erleben", ein völlig neues Verhältnis
zu sich selbst gewinnen, Ängste überwinden und mit Stress
konstruktiv umgehen lernen. Er geht sehr genau auf die Prägung
von Charakterstrukturen ein und beschreibt ihre körperlichen
Erscheinungsformen. Damit wird der Zusammenhang zwischen Körper
und geistig - seelischen Komponenten und ihren Ursachen noch klarer.
Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten, Menschen
mittels Bewegung und Atem durch ihre Blockaden und Ängste
zu begleiten, um ihre persönlichen Potentiale und Ressourcen
erlebbar zu machen und zu integrieren.
Das Eröffnen eines riesigen genetischen Potentiales ist für
Prof. Rolando Toro auch das Ziel von "Biodanza".
Er hat dieses wissenschaftlich erarbeitete und biologisch fundierte
System "Biodanza" entwickelt, um Menschen im bewusstem
Erleben des Augenblicks vitale, kreative, lustvolle, empfindsame
und transzendente Ressourcen zugängig zu machen und Möglichkeiten
zu schaffen, diese in den Alltag zu integrieren. Dieses System
zur Persönlichkeitsentfaltung, Integration und Lebensfreude
ist ein praktischer Beweis, dass Bewegung vom Kind bis zum Greis,
vom Manager bis zum Obdachlosen, vom Krebspatienten bis zum Alkoholkranken
das Leben der Menschen verändert. Unabhängig von Alter,
Geschlecht, Lebenssituation oder persönlichen Fähigkeiten
tragen Bewegung und Atem wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität
bei und lassen erleben, dass es mehr Möglichkeiten gibt als
wir uns vorstellen können.
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es"
Bewegung heißt Tun und Leben heißt eigentlich Erleben.
"Wenn du immer das tust, was du immer getan hast, wirst du
immer das bekommen, was du immer bekommen hast. Wenn du etwas
anderes willst, dann tu etwas anderes" (J. Grindler)
Bewegung ist die Chance, im Tun das Erleben und damit das Leben
zu verändern.
Bewegung bedeutet Ja zu unserem Leben und all seiner Wechselhaftigkeit
zu sagen und die Entscheidung zu treffen, unsere Lebensaufgabe
zu erfüllen, die nach C. G. Jung darin besteht, das zu werden
was wir sind.
Bewegung erlaubt uns, unser Leben flexibel, kreativ und konstruktiv
so zu gestalten, dass wir mehr und mehr unser Geburtsrecht erfahren
können: Glücklich zu sein!
Literatur: Bioenergetik - Therapie der Seele durch Arbeit
mit dem Körper (Alexander Lowen)
Körpertypen - vom Typentrauma zum Traumtypen (Roland Bäuerle)