Künstlerisches Handeln und Denken verhilft allen Menschen
zu mehr Phantasie und Kreativität und sollte nicht nur den
Arbeitsfeldern der Kunst überlassen werden.
In unserer Zeit und in unserem Kulturkreis werden hohe Anforderungen
an den Einzelnen gestellt. Es werden Offenheit, Flexibilität,
Kreativität, Innovationsfähigkeit vorausgesetzt; Intuition,
Spontaneität, Vorstellungskraft, aber auch Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit
im beruflichen und privaten Leben verlangt.
Schon als Kleinkind beginnt der Mensch mit dem Kritzeln als besondere
Form seines kreativen Tuns. Es erkundet spielerisch Spuren, welche
durch die Bewegung seiner Hand, seines Armes von Stiften hinterlassen
werden. Der Kreis und die Spirale werden gezeichnet, und schließlich
bildet das Kind seine Umgebung in einem magisch-schöpferischen
Prozess ab. Durch falsche Kritik, Benotung und andere Misslichkeiten
wird das Kind vom kreativen Selbstausdruck abgebracht, um es schließlich
in den meisten Fällen ganz zu lassen. In der Schule geht
es dann weiter: Stundenkürzungen, Fächerzusammenlegung
und die Ausrichtung auf Wirtschaftlichkeit, Rentabilität,
Kosteneinsparung unterminieren das kreative Tun oft bis zum Ruin.
In vielen Stellenbeschreibungen wird Kreativität von den
Bewerben/innen gefordert. Doch die Ausbildung der Kreativität
wird leider immer öfter der Eigeninitiative überlassen.
Manchmal wird sie unbewusst, manchmal gezielt unterdrückt.
Kreativität ist schließlich nicht sofort messbar und
kann nicht gleich überprüft werden.
Da haben wir das Dilemma.
Kreative Menschen sind dringend nötig. Sie haben gelernt
nachzufragen, eigene Lösungen zu suchen, sind weniger manipulierbar
und hängen nicht der puren Konsumhaltung an.
Wie lassen sich kreative Prozesse in Gang bringen und wie lässt
sich blockiertes und ungenütztes Potenzial wecken? Wie können
Menschen für kontinuierliche Neuschöpfung offen bleiben?
Kreativität kann gefördert und erlernt werden, zum
eigenen Nutzen, zur eigenen Freude.
Kreativität ist ein wichtiges Potenzial für seelische
Gesundheit. Menschen können aktiv tätig sein und ihre
Kräfte gestaltend einsetzen. Sie finden so auf diesem Weg
Ausdrucksmöglichkeiten für viele nicht gelebte oder
noch nicht gewusste Seiten.
Menschen sollten die Möglichkeit haben, ihre bildnerischen
- schöpferischen Kräfte zu entwickeln, ihre inneren
Welten zu erforschen und überhaupt einen Zugang zu ihren
Fähigkeiten und Potenzialen zu finden. Sei es als Ausgleich
zum Beruf oder um die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Im Künstlerischen ist fast alles möglich und kann erprobt
werden. Dies wirkt sich dann auch auf das Alltagsleben positiv
aus und setzt Entwicklungsprozesse in Gang.
Buchtipp:
Rainer M. Holm-Hadulla "Kreativität"; Konzept und Lebenssti - Vandenhoeck&Ruprecht