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Märchen



Der Begriff "Märchen" stammt vom mittelhochdeutschen Wort „maere" ab. "Maere" bedeutet ursprünglich "Nachricht, Kunde, Erzählung.
Das Märchen war eine Lebens-Anleitung, eine Mär - so wie es in dem Weihnachtslied heißt, als der Engel verkündete: "...ich bring Euch gute, neue Mär!"
Märchen waren und sind Botschaften in Zeiten, die keine Bücher, kein Radio, kein Fernsehen und kein Internet kannten. Die mündliche Weitergabe von Wissen war üblich, da man in der Regel nicht schreiben oder lesen konnte. Märchen sind die komprimierte Essenz uralter Erfahrungen der Menschheit. Märchen wurden in der Gemeinschaft erzählt, und die Informationen richteten sich an alle: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Alte, Gebildete und Ungebildete, Menschen von hohem oder niedrigem Stand.
Es sollte den Menschen helfen, gefährliche Situationen leichter zu erkennen, Probleme im Leben zu meistern und z.B. die Gefahren, die durch böse oder listige Menschen lauern, die sich meist durch Täuschung verstellen, wahrzunehmen.
Die Hauptpersonen der Märchen sind so gewählt, dass sich jedermann und jederfrau damit in bestimmten Situationen identifizieren konnten. Sie sind ewig gültige Prototypen, Urprinzipien, sogenannte "Archetypen". "Archetypus, griech. Urtypus, Urbild; in der spätantiken Philosophie die 'Urbilder' oder Ideen; ähnlich in der Psychologie C.G. Jungs 'urtümliche, angeborene Verhaltensweisen oder Bilder'..." (aus Der Neue Brockhaus, 1984).
In der Analytischen Psychologie von C. G. Jung geht man davon aus, dass Märchen und Mythen etwas über bestimmte Probleme und deren Lösungen aussagen, da sie Themen aufgreifen die für das Kollektiv gelten. Märchen verwenden dabei eine Symbolsprache, eine verschlüsselte Sprache, die zeitlos gültig und für Menschen intuitiv verständlich ist. Dabei geben Märchen stets eine Krisensituation vor, die mit den alten Handlungsmustern nicht bewältigt werden kann. Um die Krise zu meistern muss man sich also entwickeln.
Mythen und Märchen, archetypische Erzählungen, haben einen gleichbleibenden Kern. Es geht um das Überleben des Bedrohten, um den Aufstieg des Verachteten, um die Balance zwischen Weiblichem und Männlichem, um den Rhythmus von Festhalten und Loslassen usw.

Unsere Psyche reagiert mit Resonanz auf diese alten symbolischen Prozesse. Beschäftigen wir uns mit diesen alten Vorstellungen, wecken sie die Vorstellungen in unserer eigenen Psyche, beleben Bilder, Prozesse, Emotionen und können so über die Lösungen im Märchen eigene Entwicklungstendenzen aktivieren. (Märchenarbeit).

 

 


Text zur Verfügung gestellt von
Österreichisches Institut für ganzheitliche Therapie ÖIGT:
A-1050 Wien, Schönbrunnerstr.43 Tel.: +43 1 585 14 53
http://oeigt-wien.at/

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