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Mann und Frau

Die Begegnung von Mann und Frau kann einfach sein. Liebevolles Fließen, sexuelle Leidenschaft, nahe Freundschaft, gemeinsam Eltern sein,  romantische Zweisamkeit, Weggefährtenschaft... 

Es gibt viele Aspekte in diesem Zusammensein, die sich natürlich zeigen, wenn wir Nähe erlauben. Diese Nähe erleben Männer und Frauen jedoch oft nur in kurzen Phasen oder am Anfang einer Beziehung. Sehr bald schon beginnt sich unser Blick auf den anderen, unsere Gefühle und Gedanken zu trüben, so dass das Zusammensein an Freiheit, Lebendigkeit und vor allem Liebe verliert. Was vorher am Partner anziehend war, stört uns nun, die sexuelle Anziehung wird weniger, wir fühlen uns ungeliebt, kritisiert oder sogar desinteressiert.  Oftmals bemühen wir uns um unsere Beziehung und „arbeiten an ihr“, ohne dass wir die Wurzel der Schwierigkeit oder Verstrickung wirklich berühren. Aber wo liegt denn der Haken?

Wenn wir unsere inneren Themen offen legen und kommunizieren können, dann verlieren sie an Schwere. Sie zeigen uns, dass in unserer Tiefe eine kindliche Welt existiert, die sich auch in unsere Liebesbeziehungen „einmischt“. Als das sogenannte „innere Kind“ bezeichnen wir einen jungen Teil unserer Seele, der sich verletzt und ungeliebt fühlt. Dieses Kind in uns sucht beim Partner Liebe, Sicherheit und Geborgenheit, fühlt sich als Opfer, ist enttäuscht, zieht sich zurück oder ist wütend und macht Vorwürfe. Es ist „in Beziehung“ mit einem anderen, in der Hoffnung, dort Liebe, Erfüllung und Glück zu finden. Bekommt es diese nicht, wird es tyrannisch und machtvoll. Jeder kennt diese Machtspielchen in Beziehungen, die an der Wurzel kindlich sind.

Dieses Kind kann von uns gesehen, gefühlt und damit integriert werden.
Die bewusste erwachsene Präsenz, die dieses Kind liebt und ihm Aufmerksamkeit schenkt, liegt nicht im anderen, im Partner – denn genau dieses erwarten wir unbewusst – sondern in uns. Wenn wir bereit sind, uns selbst das zu schenken, dann fließen Freude, Unschuld und Liebe in unser Herz. Die lebendige Frische einer kindlichen Sicht auf die Welt und die anderen Menschen, erneuern auch unsere Beziehung immer wieder.

Das Paradoxe in der Liebe ist – entgegen unseren romantischen Vorstellungen - dass erst im Alleinsein mit uns selbst sich die Verbindung zu einem anderen Menschen öffnen kann. Dieses Alleinsein ist die Wurzel von Erwachsensein. Wir können uns aufmachen, erwachsen zu werden, uns selbst mit mitfühlenden Augen zu betrachten, in Verantwortung für unser Glücklichsein, für unser Leiden und Lieben. Diese Verantwortung ist manchmal unangenehm, weil sie uns unsere kindliche Haltung kostet, doch ist sie befreiend und legt auch die Liebe frei.

Alle Themen, die Männer und Frauen als problematisch oder leidvoll in ihren Beziehungen empfinden, können mit direkten Fragen tiefer erforscht werden: Worunter leide ich? Bin ich bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen und statt beim Partner bei mir selbst wirklich hinzuschauen? Was ist heilsam, öffnend, unterstützend für mich?

Ein Artikel von Steffen Wöhner und Luna U. Müller

Steffen Wöhner und Luna U. Müller

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